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Ausbildung geschafft – trotz Corona!

Abschluss in Krisenzeiten: Mit den Prüflingen des Sommers 2020 hat das Berufsbildungswerk (BBW) der Stiftung Liebenau seinen „Corona-Jahrgang“ verabschiedet. Trotz aller Widrigkeiten konnten die Azubis ihre Ausbildung erfolgreich beenden und die meisten von ihnen auch schon einen Job finden. Doch wie erging es den jungen Frauen und Männern mit besonderem Teilhabebedarf während des mehrwöchigen „Lockdown“ und danach?

Abschluss geschafft, den Start ins Berufsleben fest im Visier: BBW-Absolvent Thomas nach seiner erfolgreichen Ausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe.

„Es ist ein tolles Gefühl, jetzt hier zu stehen“: Die Ulmer Bäckerfachwerkerin Ana-Filipa Vieira Frias ist stolz auf das Erreichte und freut sich auf ihren weiteren Berufsweg.

Plötzlich war alles anders
März 2020 – und plötzlich war alles anders. Auch für die jungen Azubis des Liebenau Berufsbildungswerks in Ravensburg und Ulm, die sich gerade auf ihre Abschlussprüfungen vorbereiteten. Statt Berufsschule und Werkstatt war Heimlernen angesagt. Praktika platzten, die gewohnten Tagesstrukturen brachen weg. Die Pandemie brachte den Ausbildungsalltag völlig durcheinander und sorgte für viel Unsicherheit: Klappt das mit den Prüfungen? Und was wird aus mir nach dem Abschluss? 

 

„Das Gemeinschaftliche vermisst“
„Mir ging es soweit ganz gut. Aber das Gemeinschaftliche hier habe ich schon vermisst“, meint Johanna Friesen, Absolventin aus dem Bereich Verkauf, und spricht damit wohl allen BBW-Azubis aus der Seele. Zwar wurde sie auch während der Schließungsphase weiterhin von ihren Ausbildern und Lehrkräften eng betreut und von den Fachdiensten unterstützt. Die Freude, nach siebenwöchiger pandemiebedingter Heimlernphase endlich wieder die Mitschülerinnen und -schüler zu sehen und zurück am gewohnten Ausbildungsplatz zu sein, war dennoch groß. Auch wenn der Alltag seitdem völlig anders aussieht als vor Corona: Mund-Nase-Masken, Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen bestimmen das Bild im BBW.

 

Schwierige Situation für Autisten
Je nach  Beeinträchtigung und sozialem Hintergrund kamen die Jugendlichen mit der Ausnahmesituation ganz unterschiedlich klar. Der plötzliche Wegfall der Alltagsroutine traf nicht zuletzt die Azubis mit einer Autismus-Spektrum-Störung besonders schwer. „Für sie haben wir Pläne zur Tagesstrukturierung erstellt“, berichtet Oliver Schweizer, Leiter der Abteilung Bildungsbegleitung  im Ravensburger BBW. Individuelle Lösungen fand man auch für Angehörige von Covid-19-Risikogruppen. 

 

Auslandspraktikum geplatzt
Weit entfernt von Ravensburg erreichte Thomas (Name geändert) die Corona-Krise und ließ unvermittelt seine Auslandspläne platzen. Gerade erst hatte der BBW-Azubi in Südtirol sein Praktikum im Rahmen eines Austauschprogramms angefangen, und schon musste er dieses coronabedingt wieder abbrechen. „Das war schon eine komische Situation“, erzählt der 20-Jährige. Sorgen um seinen Abschluss machte er sich zwar nicht so sehr, eine gewisse Unsicherheit sei anfangs aber schon da gewesen, räumt er ein. Auch er, sonst eigentlich in einem Außenwohnheim des BBW lebend, verbrachte die „Lockdown“-Zeit zu Hause. Und auch er legte nach der Wiederöffnung seiner Bildungseinrichtung einen erfolgreichen Endspurt hin: Wie nahezu alle anderen Azubis hat er es geschafft und nun sein Zeugnis in der Tasche – und gleichzeitig auch ein Stellenangebot aus seiner Heimat. 

 

Traumberuf gefunden
Von dort zog es ihn vor ein paar Jahren zu der rund einjährigen Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme (BvB) ins Ravensburger BBW. Unter anderem steht dort ja das Herausfinden des passenden Berufes auf dem Programm. Dieser Punkt war für ihn schnell abgehakt: „Ich war noch keine zwei Wochen hier, da wusste ich: Gastronomie passt!“ Und so blieb Thomas auch nach der BvB im Berufsbildungswerk und machte dort eine Ausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe. „Er war immer mit Leib und Seele dabei“, lobt die stellvertretende Betriebsleiterin Roswitha Dvorak den Ex-Azubi, für den sein Beruf wohl tatsächlich auch Berufung ist.

 

Abschluss geschafft – „ein tolles Gefühl“
So wie für Ana-Filipa Vieira Frias. „Für mich gab es keinen Tag, an dem ich nicht gerne hierhergekommen bin, um etwas Neues zu lernen“, blickte die ehemalige Schülersprecherin bei der Zeugnisübergabe auf ihre Zeit im Regionalen Ausbildungszentrum (RAZ) Ulm und der Max-Gutknecht-Schule (beides Einrichtungen des BBW) zurück – voller Stolz, nun einen wichtigen Schritt in Richtung Berufsleben gemacht zu haben: „Es ist ein tolles Gefühl, jetzt hier zu stehen.“ Und das nach der zuletzt so schwierigen Phase. 

 

Digitales Lernen
Von einem Tag auf den anderen musste auch die Ulmer Ausbildungsstätte schließen. Gelernt wurde zu Hause statt in der Berufsschule, die Aufgaben kamen über eine digitale Lernplattform. Am Anfang sei diese Umstellung nicht einfach gewesen, berichtet die junge Frau. Doch dann sei alles ganz gut gegangen. Am meisten gefehlt während der Heimlernphase habe ihr das Praktische. 

 

Ab jetzt: Zukunft
Das kann sie nun nachholen, denn für Ana-Filipa Vieira Frias geht es gleich weiter. Nach ihrem erfolgreichen Abschluss als Bäckerfachwerkerin will die 19-Jährige nun in einem weiteren Lehrjahr Bäckergesellin werden – und dann auch noch ihren Traum von der Konditorin in Angriff nehmen. So vieles Corona auch durcheinander brachte – Zukunftspläne werden also weiterhin fleißig geschmiedet.
 

 

 

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