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Erfahrungen fürs Leben – Was ein FSJ in der Stiftung Liebenau bringt

MECKENBEUREN-LIEBENAU – War es eine gute Entscheidung? „Definitiv“, sagt Leon Moll. Er hatte sich im August 2020 zu einem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) entschlossen – so wie rund 80 weitere Männer und Frauen, die fast zeitgleich mit ihm ein FSJ oder einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) bei der Stiftung Liebenau machten. Leon Moll arbeitete etwa ein Jahr lang in der Erwachsenenpsychiatrie der St. Lukas-Klinik. Er fand, was er suchte: ein klares Berufsziel und viele Erfahrungen fürs Leben.

Das FSJ half Leon Moll bei der Berufsfindung: Er macht die Ausbildung zum Heilerziehungspfleger.

Ein gefragter Gesprächspartner

Zum Nachtisch gab es heute Apfelkompott. Die leeren Schälchen stehen noch auf dem Tisch, in der Küche klappert Geschirr, die Atmosphäre auf der Station ist entspannt. Einige Patientinnen und Patienten haben sich zur Mittagsruhe auf ihr Zimmer zurückgezogen, andere sind gerade in der Physiotherapie oder gehen spazieren. Leon Moll sitzt mit vier jungen Erwachsenen am Tisch und ist ein gefragter Gesprächspartner. Maria* erzählt von ihrer Familie. Felix* erkundigt sich, wo er einen Taxischein für die Heimfahrt bekommen kann. Und Daniel* bittet um einen Rat: Er überlegt, ob er noch länger in der Klinik bleiben soll. Leon Moll wirkt wie ein ruhender Pol, geht auf jedes Anliegen ein und fragt schließlich: „Wollen wir noch was spielen?“ Begeistert holt Thomas* die Uno-Karten.

 

Aufmerksame Präsenz

Ein FSJler wie Leon Moll ist für das Stationsteam eine große Bereicherung. Er unterhält sich mit den Patientinnen und Patienten, spielt mit ihnen, nimmt sie auf Spaziergänge mit und achtet auch auf mögliche Besonderheiten in ihrem Verhalten. Er packt in der Küche mit an, hilft bei der Essensausgabe, übernimmt Botengänge und ist in fast alle Stationsabläufe eingebunden. Und vor allem: Er ist da. So einfach dies auch klingen mag, so wichtig ist seine aufmerksame Präsenz für die Menschen auf der Station und ihre Begleitung im Alltag.

 

"Diese Arbeit ist vielseitig und anspruchsvoll"

„Mir gefällt es, mit Menschen zu arbeiten, ihnen zu helfen und etwas zu bewirken. Diese Arbeit ist vielseitig und anspruchsvoll“, sagt Leon Moll. Dass ihn sein Weg in den sozialen Bereich führen würde, war nicht vorgegeben. Er machte zwar als Schüler mal ein Praktikum in einer sozialen Einrichtung, begann aber nach dem Realschlussabschluss eine Schreinerlehre. Bald stellte er fest, dass dies nicht das Richtige für ihn ist, und entschied sich für ein FSJ – in erster Linie zur Berufsorientierung. Im Laufe der Monate in der St. Lukas-Klinik nahm seine zunächst vage Idee immer deutlichere Konturen an, bis ihm klar war: „Ich will Heilerziehungspfleger werden."

 

"Da passiert so viel, was man für sein Leben mitnehmen kann“

Wenn die Entscheidung anders ausgefallen wäre, würde er das FSJ trotzdem als wertvolle Zeit betrachten. „Ein FSJ ermöglicht gute Erfahrungen. Da passiert so viel, was man für sein Leben mitnehmen kann“, erklärt Leon Moll, der zuvor nur wenige, flüchtige Kontakte zu Menschen mit Assistenzbedarf hatte. Im FSJ lernte er dagegen ständig neue Menschen mit ihren Eigenheiten kennen und begleitete sie ein paar Wochen lang – je nachdem, wie lange sie in der Klinik waren. „Das ist ein Einblick in eine fast andere Welt“, sagt er.

 

Die Sympathien der Patientinnen und Patienten sind dem 21-Jährigen gewiss. „Ich bin der Uno-König“, verkündet Thomas*, als er die Karten-Runde gewinnt. Dann zeigt er gut gelaunt auf Leon Moll und sagt: „Er ist voll cool!“

 

* Name geändert

 

 

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