Der Funke sprang sofort über

Laura Decker und Franzi Fritz lernten sich auf einer Messe kennen. Die gelernte Jugend- und Heimerzieherin Laura Decker ist Nachwuchsbeauftragte der St. Lukas-Klinik. Dafür besucht sie
Schulen, begleitet Bildungsmessen, auch die in Ravensburg am 11. Februar 2023. Dort traf sie Franzi Fritz. Die 28-Jährige kam aus dem kaufmännischen-technischen Bereich und wollte sich beruflich komplett neu orientieren. Am Stand der Stiftung Liebenau hörte sie zum ersten Mal vom Beruf der Heilerziehungspflege. „In der Heilerziehungspflege geht es um die Möglichkeit,
sich selbst als Individuum in die Arbeit einzubringen“, informiert Laura Decker. „Wir sind keine typischen Pfleger. Wir begleiten die Menschen ganz individuell und immer im Rahmen ihrer Fähigkeiten.“ Der interdisziplinäre Austausch ist ihr wichtig. Nie werden die Mitarbeitenden sich selbst überlassen, sind immer in ein Team eingebunden. Doch wie vermittelt man dies auf einer Bildungsmesse? Mit kleinen Ratespielen lädt Laura Decker an den Stand der Stiftung Liebenau ein. Damit nimmt sie jungen Menschen die Scheu, den Stand zu besuchen und den Kontakt aufzunehmen. An den Fragen erkennt Laura Decker, ob jemand aufrichtig interessiert ist. „Bei Franzi Fritz ist der Funke sofort übergesprungen“, berichtet Laura Decker über ihre erste Begegnung am Messestand. Sie informierte über Erfahrungen, die sie selbst als Jugend- und Heimerzieherin sammelte. In der Lukas-Klinik ist Decker immer ganz nah dran an den Auszubildenden. Immer ist sie im Kontakt mit ihnen, begleitet sie selbst in die Wohngruppen und gibt Orientierung. Genau diese Eigenschaften schätzt Franzi Fritz: „Dass es einen Menschen gibt, an den ich
mich immer wenden kann.“
Hospitation als Einstieg
Schon drei Wochen nach der Messe hospitierte die junge Frau in der St. Lukas-Klinik und war begeistert. Genau diesen menschlichen Kontakt vermisste sie in ihrer bisherigen beruflichen Laufbahn. Schon bald erkannte sie, dass es immer eine Prise Humor braucht. „Die Begleitung unserer Klienten erfordert Fingerspitzengefühl und eine Portion Leichtigkeit“, unterstreicht Laura Decker. Manchmal müsse es auch schnell gehen und Entscheidungen müssen ad hoc getroffen werden. Laura Decker ist es eine Herzensangelegenheit, für eine Hospitation oder für ein Praktikum in der Stiftung zu werben: „Es ist ein persönlicher Gewinn, eine Lebenserfahrung.“ Auch wenn nicht jeder Hospitierende sich für eine Ausbildung im sozialen Bereich entscheidet: „Sie nehmen eine Erfahrung mit, die auf menschlichen Begegnungen beruht. Sie lernen, Kontakte zu knüpfen, sich auszutauschen und Absprachen zu treffen.“ Franzi Fritz war schon nach ihrer Hospitation überzeugt: „Hier bin ich richtig.“ Sie entschied sich für den Beruf der Heilerziehungspflege und meldete sie sich zum sozialen Praktikum an. „Jede Art von Praktikum ist für die Berufsfindung wichtig“, informiert Laura Decker. Unabhängig davon ob es sich um ein Tages-, Schul-, freiwilliges oder Vorpraktikum handelt. Jeder Praktikant ist willkommen.
Franzi Fritz ist von der Vielfalt angetan. Sie hat in der St. Lukas-Klinik Menschen kennengelernt, die interessant sind, manchmal eine Herausforderung. Kein Tag sei gleich. Das
schätzt sie an ihrer neuen Arbeitsstelle, und dass sie Menschen gefunden hat, denen sie vertrauen kann wie Laura Decker. Seit August wirkt Franzi Fritz als Auszubildende in der Lukas-Klinik mit. (ls)
Der Funke sprang sofort über

Laura Decker und Franzi Fritz lernten sich auf einer Messe kennen. Die gelernte Jugend- und Heimerzieherin Laura Decker ist Nachwuchsbeauftragte der St. Lukas-Klinik. Dafür besucht sie
Schulen, begleitet Bildungsmessen, auch die in Ravensburg am 11. Februar 2023. Dort traf sie Franzi Fritz. Die 28-Jährige kam aus dem kaufmännischen-technischen Bereich und wollte sich beruflich komplett neu orientieren. Am Stand der Stiftung Liebenau hörte sie zum ersten Mal vom Beruf der Heilerziehungspflege. „In der Heilerziehungspflege geht es um die Möglichkeit,
sich selbst als Individuum in die Arbeit einzubringen“, informiert Laura Decker. „Wir sind keine typischen Pfleger. Wir begleiten die Menschen ganz individuell und immer im Rahmen ihrer Fähigkeiten.“ Der interdisziplinäre Austausch ist ihr wichtig. Nie werden die Mitarbeitenden sich selbst überlassen, sind immer in ein Team eingebunden. Doch wie vermittelt man dies auf einer Bildungsmesse? Mit kleinen Ratespielen lädt Laura Decker an den Stand der Stiftung Liebenau ein. Damit nimmt sie jungen Menschen die Scheu, den Stand zu besuchen und den Kontakt aufzunehmen. An den Fragen erkennt Laura Decker, ob jemand aufrichtig interessiert ist. „Bei Franzi Fritz ist der Funke sofort übergesprungen“, berichtet Laura Decker über ihre erste Begegnung am Messestand. Sie informierte über Erfahrungen, die sie selbst als Jugend- und Heimerzieherin sammelte. In der Lukas-Klinik ist Decker immer ganz nah dran an den Auszubildenden. Immer ist sie im Kontakt mit ihnen, begleitet sie selbst in die Wohngruppen und gibt Orientierung. Genau diese Eigenschaften schätzt Franzi Fritz: „Dass es einen Menschen gibt, an den ich
mich immer wenden kann.“
Hospitation als Einstieg
Schon drei Wochen nach der Messe hospitierte die junge Frau in der St. Lukas-Klinik und war begeistert. Genau diesen menschlichen Kontakt vermisste sie in ihrer bisherigen beruflichen Laufbahn. Schon bald erkannte sie, dass es immer eine Prise Humor braucht. „Die Begleitung unserer Klienten erfordert Fingerspitzengefühl und eine Portion Leichtigkeit“, unterstreicht Laura Decker. Manchmal müsse es auch schnell gehen und Entscheidungen müssen ad hoc getroffen werden. Laura Decker ist es eine Herzensangelegenheit, für eine Hospitation oder für ein Praktikum in der Stiftung zu werben: „Es ist ein persönlicher Gewinn, eine Lebenserfahrung.“ Auch wenn nicht jeder Hospitierende sich für eine Ausbildung im sozialen Bereich entscheidet: „Sie nehmen eine Erfahrung mit, die auf menschlichen Begegnungen beruht. Sie lernen, Kontakte zu knüpfen, sich auszutauschen und Absprachen zu treffen.“ Franzi Fritz war schon nach ihrer Hospitation überzeugt: „Hier bin ich richtig.“ Sie entschied sich für den Beruf der Heilerziehungspflege und meldete sie sich zum sozialen Praktikum an. „Jede Art von Praktikum ist für die Berufsfindung wichtig“, informiert Laura Decker. Unabhängig davon ob es sich um ein Tages-, Schul-, freiwilliges oder Vorpraktikum handelt. Jeder Praktikant ist willkommen.
Franzi Fritz ist von der Vielfalt angetan. Sie hat in der St. Lukas-Klinik Menschen kennengelernt, die interessant sind, manchmal eine Herausforderung. Kein Tag sei gleich. Das
schätzt sie an ihrer neuen Arbeitsstelle, und dass sie Menschen gefunden hat, denen sie vertrauen kann wie Laura Decker. Seit August wirkt Franzi Fritz als Auszubildende in der Lukas-Klinik mit. (ls)

Wie würden Sie den Bündner Standard in wenigen Sätzen erklären?
Iacone: Der Bündner Standard ist ein bewährtes Instrument der „Stiftung Bündner Standard” in Zizers, Graubünden. Er dient der Prävention, strukturierten Erfassung und professionellen Bearbeitung von Grenzverletzungen in organisierten Kontexten. Das Instrument umfasst zehn Kernelemente und erfasst Grenzverletzungen in sechs Dimensionen: physisch, psychisch, sexualisiert, materiell, kulturell und strukturell. Ursprünglich entwickelte die Stiftung den Bündner Standard für Kinder- und Jugendinstitutionen. Mittlerweile findet er jedoch in verschiedenen Bereichen Anwendung. Der Standard ersetzt keine bestehenden Konzepte, sondern ergänzt sie bei Vorfällen und schafft eine gemeinsame Sprache.
Wo zeigt sich das Arbeiten mit dem Bündner Standard im täglichen Handeln am deutlichsten?
Och: Der Bündner Standard hat die Meldekultur und Sprache verändert. Statt informeller Gespräche dokumentieren die Mitarbeitenden Vorfälle über ein Erfassungsformular. Sie ordnen die Vorfälle nach deren Schweregrad (Stufen) ein und besprechen sie systematisch im Team.
Ein Beispiel aus einer unserer Akutstationen für Kinder und Jugendliche: Ein Jugendlicher bedrängt einen Peer verbal und körperlich im Gruppenraum. Früher hätte man dies als Gruppendynamik abgetan. Heute erfassen die Mitarbeitenden den Vorfall noch während der Schicht. Sie stufen ihn im Stufenmodell ein und besprechen den Fall im Team gemeinsam mit der Therapie- beziehungsweise ärztlichen Leitung und der Pflege- oder Erziehungsleitung. Bei Bedarf ziehen sie die interne Meldestelle hinzu, die momentan implementiert wird. Ziel ist es, zu eruieren, was die Situation ausgelöst hat und wie sie von den unterschiedlichen Beteiligten erlebt wurde.
Was war der Grund dafür, den Bündner Standard in der gesamten St. Lukas-Klinik einzuführen?
Iacone: Der Bündner Standard vereint die Prävention, Erfassung und Bearbeitung von Grenzverletzungen. Er hat sich zudem bereits in der stationären Jugendhilfe bewährt. Auch die Kinder- und Jugendpsychiatrie birgt hohe Risiken für potenzielle Grenzverletzungen: starkes Machtgefälle, verletzliche, oft in kommunikativen Fähigkeiten eingeschränkte Patientinnen und Patienten, Zwangsmaßnahmen, freiheitsentziehende Maßnahmen und enger Körperkontakt in Krisen. Einzelfälle und strukturelle Herausforderungen zeigen, dass uneinheitliche Meldewege, Grauzonen und fehlende Kommunikation Grenzverletzungen fördern. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Schutzkonzepte. Und das gilt für alle Bereiche der St. Lukas-Klinik. Daher ist die flächendeckende Einführung die logische Antwort auf den Bedarf nach einem einheitlichen, anschlussfähigen Instrument.
Welche langfristigen Effekte erwarten Sie?
Iacone: Wir erwarten nicht weniger als einen Kulturwandel: weg von Tabuisierung und informeller Abwicklung, hin zu einer offenen Melde- und Reflexionskultur sowie Transparenz. Mitarbeitende gewinnen Handlungssicherheit, Patienten werden besser geschützt, und auch Mitarbeitende sind gegenüber unbegründeten Vorwürfen und strukturellen Überforderungen besser abgesichert. Mittelfristig sollen die Quartalsauswertungen belastbare Muster zeigen und institutionelles Lernen ermöglichen. Die Meldezahlen werden zunächst steigen, weil mehr wahrgenommen und erfasst wird. Dies ist kein Rückschritt, sondern ein Indikator für Wirksamkeit.
Wo sehen Sie aktuell noch Entwicklungsbedarf?
Och: Es gibt aktuell drei Herausforderungen: Erstens muss der Standard von den Modellstationen auf alle Stationen übertragen werden, was zusätzliche Ressourcen erfordert. Zweitens ist es wichtig, Grenzverletzungen unter Patientinnen und Patienten und durch Mitarbeitende erfolgte klar zu unterscheiden. Letztere sind besonders heikel und erfordern einen belastbaren „Whistleblower-Schutz” (Hinweisgeber Schutzgesetz) sowie eine klare Trennung der Vertrauensstelle von der Linienverantwortung. Drittens muss die Integration in digitale Systeme erfolgen, damit die Erfassung und Auswertung nicht parallel zur Patientendokumentation laufen. Zudem bleibt die Feinjustierung für spezifische Themen der Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) wie freiheitsentziehende Maßnahmen (FEM) und Zwang offen, da der Bündner Standard diese nicht vollständig abbildet.
Dank der Anschubfinanzierung des Europäischen Sozialfonds über den Fördertopf REACT-EU konnte im Juli 2022 das PIKSL-Labor, auch Labor für digitale Teilhabe genannt, am Franziskusplatz in Friedrichshafen eröffnet werden. In Zusammenarbeit mit dem Berufsbildungswerk Adolf Aich und der Universität Konstanz wurde ein Ort geschaffen, an dem digitale Teilhabe auf Augenhöhe realisiert und gelebt wird. Die Fähigkeiten von Menschen mit und ohne Behinderungen werden gebündelt, um digitale Produkte, soziale und technische Innovationen und Dienstleistungen für alle Menschen zu entwickeln. Das Labor zur digitalen Teilhabe nennt sich bewusst PIKSLLabor Friedrichshafen. PIKSL bedeutet "Personenzentrierte Interaktion und Kommunikation für mehr Selbstbestimmung im Leben". Ein Ort, wo Menschen mit und ohne Behinderungen zusammenkommen, um innovative Ideen durch Inklusion zu verwirklichen. Im Labor werden außerdem kostenlose Kurse zu digitalen Medien angeboten. Zur nachhaltigen Etablierung des Projektes konnte eine dreijährige Förderung von Aktion Mensch erwirkt werden.

Haltung – meine Position in der Welt
Erfahrungen wirken auf meinen Körper und meine Wahrnehmung, zugleich verarbeite ich sie aktiv. Haltung entsteht genau in diesem Wechsel: Ich setze mich zu dem, was mir geschieht, in Beziehung. Körperlich, emotional und geistig positioniere ich mich dadurch in der Welt.
Haltung wahrt Abstand
Indem ich mich positioniere, zeige ich mich anderen und werde sichtbar. Jede Haltung schafft zugleich Distanz zum Geschehen und ermöglicht Perspektive. Diese Distanz kann entlasten und Orientierung geben, etwa durch Aufrichten, Zuwendung oder bewusste Körperhaltung.
Haltung gibt Halt
Haltung ist nie stabil im Sinne eines festen Bodens, sondern selbst Teil einer bewegten Welt. Gerade deshalb muss sie Halt geben. Sie wirkt wie ein selbstgebautes Geländer, das Orientierung ermöglicht, ohne Stillstand zu erzeugen.
Charakter kommt durch Haltung
Haltungen sind ambivalent: Sie verbinden Stabilität und Bewegung. Ich übe Standpunkte wie Schritte ein und halte zugleich über Zeit an ihnen fest. Charakter zeigt sich darin, wofür ich einstehe und was ich durchhalte, ohne beliebig zu werden.
Haltung als Kompass
Haltung ist nie endgültig festgelegt, sondern wird immer wieder neu ausgehandelt. Ich muss sie reflektieren, anpassen und manchmal neu ausrichten. Sie reagiert auf eine Welt im Wandel und ist selbst in Bewegung. Deshalb ist Haltung kein Anker, sondern ein Kompass, der Orientierung im Unterwegssein gibt.
Haltung als Prozess
All diese Dimensionen greifen ineinander: Körper, Erfahrung, Distanz, Halt, Charakter und Orientierung bilden kein starres System, sondern einen fortlaufenden Prozess. Haltung entsteht im Alltag immer wieder neu, in kleinen Entscheidungen, Reaktionen und Verschiebungen der Perspektive. Sie ist nichts Fertiges, sondern etwas, das sich im Tun stabilisiert und zugleich verändert. Gerade darin liegt ihre Spannung: Sie verlangt Klarheit, ohne endgültige Sicherheit zu bieten. Wer Haltung einnimmt, bleibt daher in Bewegung und muss sich immer wieder neu verorten.
Diese Bewegung zwischen Stabilität und Veränderung macht Haltung zu einem lebenslangen Lernprozess, der nie vollständig abgeschlossen ist.
Dank der Anschubfinanzierung des Europäischen Sozialfonds über den Fördertopf REACT-EU konnte im Juli 2022 das PIKSL-Labor, auch Labor für digitale Teilhabe genannt, am Franziskusplatz in Friedrichshafen eröffnet werden. In Zusammenarbeit mit dem Berufsbildungswerk Adolf Aich und der Universität Konstanz wurde ein Ort geschaffen, an dem digitale Teilhabe auf Augenhöhe realisiert und gelebt wird. Die Fähigkeiten von Menschen mit und ohne Behinderungen werden gebündelt, um digitale Produkte, soziale und technische Innovationen und Dienstleistungen für alle Menschen zu entwickeln. Das Labor zur digitalen Teilhabe nennt sich bewusst PIKSLLabor Friedrichshafen. PIKSL bedeutet "Personenzentrierte Interaktion und Kommunikation für mehr Selbstbestimmung im Leben". Ein Ort, wo Menschen mit und ohne Behinderungen zusammenkommen, um innovative Ideen durch Inklusion zu verwirklichen. Im Labor werden außerdem kostenlose Kurse zu digitalen Medien angeboten. Zur nachhaltigen Etablierung des Projektes konnte eine dreijährige Förderung von Aktion Mensch erwirkt werden.

Hinein in die Gesellschaft
Julia Francovich ist den ganzen Tag von Papier und Buchstaben umgeben. Tagsüber sorgt die 33-Jährige mit ihrem Team in den Liebenauer Arbeitswelten dafür, dass Belege gescannt und archiviert werden. Zuhause liest sie gern Krimis, und in ihrer Freizeit arbeitet sie in der Redaktion der „wir mittendrin”. So heißt die Zeitschrift der Stiftung Liebenau. Sie geht auf eine Initiative von Anne Luuka aus der Öffentlichkeitsarbeit zurück. Ursprünglich richtete sie sich an Angehörige. Doch das reichte bald nicht mehr: Statt nur über Menschen mit Behinderungen zu sprechen, sollte die Zeitschrift „mitten in die Gesellschaft hineinwirken”.
Auflage von 80 000 Exemplaren
Inzwischen erscheint die „wir mittendrin” zweimal jährlich als Beilage der Schwäbischen Zeitung mit rund 80.000 Exemplaren, rund um den 5. Mai und den 3. Dezember. Die Produktion wird aktuell unter anderem von Aktion Mensch unterstützt.
Diskussionen auch kontrovers
Zwei Begriffe prägen das Konzept: Partizipation und Empowerment. Menschen mit Einschränkungen arbeiten aktiv in der Redaktion mit. Nach der Festlegung eines Schwerpunkts werden Themen gemeinsam entwickelt und diskutiert. Anfangs war das oft chaotisch, inzwischen strukturierter, aber weiterhin lebendig und auch kontrovers. Kritik gehört dazu. Beiträge werden hinterfragt, überarbeitet und gemeinsam weitergedacht. Gleichzeitig ist ein stabiles Vertrauen gewachsen, das die Zusammenarbeit erleichtert.
Know-how durch Workshops
Zum Konzept gehören Schreib- und Fotoworkshops. Sie stärken Ausdrucksfähigkeit und mediale Kompetenz. Ebenso wichtig ist Sichtbarkeit: Die Beteiligten sollen mit Namen auftreten und sich öffentlich zeigen, statt im Hintergrund zu bleiben.
Glücklich über Feedback
Für Julia Francovich hat die Redaktion viel verändert. Sie tritt selbstbewusster auf und reagiert gelassener auf abwertende Kommentare im Alltag. Besonders stolz ist sie, wenn eine neue Ausgabe erscheint und ihre Texte gedruckt vor ihr liegen. Ihr erster Beitrag über ihr Lesehobby brachte viel positives Feedback – das motivierte sie stark.
Hier schreibt die Bundesarbeitsministerin
Auch die Resonanz von außen ist groß. Leserinnen und Leser reagieren, schreiben zurück oder setzen Ideen aus Artikeln um. Ein Klient äußerte etwa den Wunsch zu reiten – ein Pferdehof bot spontan eine kostenlose Stunde an. Jede Ausgabe startet zudem mit einem prominenten Gastbeitrag. Für eine Ausgabe zum Thema Arbeit und Behinderung gelang es, Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas zu gewinnen.
Die Themenpalette reicht von Religion über Sexualität bis Digitalisierung. Ein zentrales Anliegen bleibt jedoch Diskriminierung und Behinderung, denn trotz Fortschritten besteht aus Sicht der Redaktion weiterhin großer Handlungsbedarf.
Zur aktuellen Ausgabe der "wir mittendrin" geht es hier >.
Die Redaktion der „wir mittendrin” hat Schwäbisch Media in Ravensburg besucht. Zum Film-Beitrag geht es hier >.
Dank der Anschubfinanzierung des Europäischen Sozialfonds über den Fördertopf REACT-EU konnte im Juli 2022 das PIKSL-Labor, auch Labor für digitale Teilhabe genannt, am Franziskusplatz in Friedrichshafen eröffnet werden. In Zusammenarbeit mit dem Berufsbildungswerk Adolf Aich und der Universität Konstanz wurde ein Ort geschaffen, an dem digitale Teilhabe auf Augenhöhe realisiert und gelebt wird. Die Fähigkeiten von Menschen mit und ohne Behinderungen werden gebündelt, um digitale Produkte, soziale und technische Innovationen und Dienstleistungen für alle Menschen zu entwickeln. Das Labor zur digitalen Teilhabe nennt sich bewusst PIKSLLabor Friedrichshafen. PIKSL bedeutet "Personenzentrierte Interaktion und Kommunikation für mehr Selbstbestimmung im Leben". Ein Ort, wo Menschen mit und ohne Behinderungen zusammenkommen, um innovative Ideen durch Inklusion zu verwirklichen. Im Labor werden außerdem kostenlose Kurse zu digitalen Medien angeboten. Zur nachhaltigen Etablierung des Projektes konnte eine dreijährige Förderung von Aktion Mensch erwirkt werden.
Der Funke sprang sofort über

Laura Decker und Franzi Fritz lernten sich auf einer Messe kennen. Die gelernte Jugend- und Heimerzieherin Laura Decker ist Nachwuchsbeauftragte der St. Lukas-Klinik. Dafür besucht sie
Schulen, begleitet Bildungsmessen, auch die in Ravensburg am 11. Februar 2023. Dort traf sie Franzi Fritz. Die 28-Jährige kam aus dem kaufmännischen-technischen Bereich und wollte sich beruflich komplett neu orientieren. Am Stand der Stiftung Liebenau hörte sie zum ersten Mal vom Beruf der Heilerziehungspflege. „In der Heilerziehungspflege geht es um die Möglichkeit,
sich selbst als Individuum in die Arbeit einzubringen“, informiert Laura Decker. „Wir sind keine typischen Pfleger. Wir begleiten die Menschen ganz individuell und immer im Rahmen ihrer Fähigkeiten.“ Der interdisziplinäre Austausch ist ihr wichtig. Nie werden die Mitarbeitenden sich selbst überlassen, sind immer in ein Team eingebunden. Doch wie vermittelt man dies auf einer Bildungsmesse? Mit kleinen Ratespielen lädt Laura Decker an den Stand der Stiftung Liebenau ein. Damit nimmt sie jungen Menschen die Scheu, den Stand zu besuchen und den Kontakt aufzunehmen. An den Fragen erkennt Laura Decker, ob jemand aufrichtig interessiert ist. „Bei Franzi Fritz ist der Funke sofort übergesprungen“, berichtet Laura Decker über ihre erste Begegnung am Messestand. Sie informierte über Erfahrungen, die sie selbst als Jugend- und Heimerzieherin sammelte. In der Lukas-Klinik ist Decker immer ganz nah dran an den Auszubildenden. Immer ist sie im Kontakt mit ihnen, begleitet sie selbst in die Wohngruppen und gibt Orientierung. Genau diese Eigenschaften schätzt Franzi Fritz: „Dass es einen Menschen gibt, an den ich
mich immer wenden kann.“
Hospitation als Einstieg
Schon drei Wochen nach der Messe hospitierte die junge Frau in der St. Lukas-Klinik und war begeistert. Genau diesen menschlichen Kontakt vermisste sie in ihrer bisherigen beruflichen Laufbahn. Schon bald erkannte sie, dass es immer eine Prise Humor braucht. „Die Begleitung unserer Klienten erfordert Fingerspitzengefühl und eine Portion Leichtigkeit“, unterstreicht Laura Decker. Manchmal müsse es auch schnell gehen und Entscheidungen müssen ad hoc getroffen werden. Laura Decker ist es eine Herzensangelegenheit, für eine Hospitation oder für ein Praktikum in der Stiftung zu werben: „Es ist ein persönlicher Gewinn, eine Lebenserfahrung.“ Auch wenn nicht jeder Hospitierende sich für eine Ausbildung im sozialen Bereich entscheidet: „Sie nehmen eine Erfahrung mit, die auf menschlichen Begegnungen beruht. Sie lernen, Kontakte zu knüpfen, sich auszutauschen und Absprachen zu treffen.“ Franzi Fritz war schon nach ihrer Hospitation überzeugt: „Hier bin ich richtig.“ Sie entschied sich für den Beruf der Heilerziehungspflege und meldete sie sich zum sozialen Praktikum an. „Jede Art von Praktikum ist für die Berufsfindung wichtig“, informiert Laura Decker. Unabhängig davon ob es sich um ein Tages-, Schul-, freiwilliges oder Vorpraktikum handelt. Jeder Praktikant ist willkommen.
Franzi Fritz ist von der Vielfalt angetan. Sie hat in der St. Lukas-Klinik Menschen kennengelernt, die interessant sind, manchmal eine Herausforderung. Kein Tag sei gleich. Das
schätzt sie an ihrer neuen Arbeitsstelle, und dass sie Menschen gefunden hat, denen sie vertrauen kann wie Laura Decker. Seit August wirkt Franzi Fritz als Auszubildende in der Lukas-Klinik mit. (ls)
Das Konzept beschreibt nicht nur Methoden und Abläufe, sondern eine gemeinsame Haltung: junge Menschen sollen nicht auf ihre Schwierigkeiten reduziert werden, sondern in ihren Fähigkeiten und Entwicklungsmöglichkeiten gesehen werden. „Teilhabe für jeden” ist der zentrale Anspruch.
Junge Menschen mit komplexen Herausforderungen begleiten
Die Teilnehmenden sind meist zwischen 16 und 27 Jahre alt und bringen unterschiedliche Unterstützungsbedarfe mit, etwa durch Autismus, ADHS, psychische Erkrankungen oder belastende Lebenslagen. Sie brauchen Struktur, Stabilisierung und individuelle Begleitung auf dem Weg in Ausbildung und Arbeit.
Rehabilitation wird als ganzheitlicher Prozess verstanden, der Ausbildung, Schule, Wohnen, psychologische Unterstützung und soziale Teilhabe umfasst.
Beziehung als Grundlage jeder Förderung
Im Zentrum steht die Haltung der Mitarbeitenden. Vertrauen und Verlässlichkeit gelten als Voraussetzung für Entwicklung. Lernen gelingt nur mit Sicherheit und Orientierung. Deshalb setzt das BBW auf feste Bezugspersonen, klare Strukturen, individuelle Förderplanung, Krisenintervention und ressourcenorientierte Begleitung.
Dank der Anschubfinanzierung des Europäischen Sozialfonds über den Fördertopf REACT-EU konnte im Juli 2022 das PIKSL-Labor, auch Labor für digitale Teilhabe genannt, am Franziskusplatz in Friedrichshafen eröffnet werden. In Zusammenarbeit mit dem Berufsbildungswerk Adolf Aich und der Universität Konstanz wurde ein Ort geschaffen, an dem digitale Teilhabe auf Augenhöhe realisiert und gelebt wird. Die Fähigkeiten von Menschen mit und ohne Behinderungen werden gebündelt, um digitale Produkte, soziale und technische Innovationen und Dienstleistungen für alle Menschen zu entwickeln. Das Labor zur digitalen Teilhabe nennt sich bewusst PIKSLLabor Friedrichshafen. PIKSL bedeutet "Personenzentrierte Interaktion und Kommunikation für mehr Selbstbestimmung im Leben". Ein Ort, wo Menschen mit und ohne Behinderungen zusammenkommen, um innovative Ideen durch Inklusion zu verwirklichen. Im Labor werden außerdem kostenlose Kurse zu digitalen Medien angeboten. Zur nachhaltigen Etablierung des Projektes konnte eine dreijährige Förderung von Aktion Mensch erwirkt werden.
Der Funke sprang sofort über

Laura Decker und Franzi Fritz lernten sich auf einer Messe kennen. Die gelernte Jugend- und Heimerzieherin Laura Decker ist Nachwuchsbeauftragte der St. Lukas-Klinik. Dafür besucht sie
Schulen, begleitet Bildungsmessen, auch die in Ravensburg am 11. Februar 2023. Dort traf sie Franzi Fritz. Die 28-Jährige kam aus dem kaufmännischen-technischen Bereich und wollte sich beruflich komplett neu orientieren. Am Stand der Stiftung Liebenau hörte sie zum ersten Mal vom Beruf der Heilerziehungspflege. „In der Heilerziehungspflege geht es um die Möglichkeit,
sich selbst als Individuum in die Arbeit einzubringen“, informiert Laura Decker. „Wir sind keine typischen Pfleger. Wir begleiten die Menschen ganz individuell und immer im Rahmen ihrer Fähigkeiten.“ Der interdisziplinäre Austausch ist ihr wichtig. Nie werden die Mitarbeitenden sich selbst überlassen, sind immer in ein Team eingebunden. Doch wie vermittelt man dies auf einer Bildungsmesse? Mit kleinen Ratespielen lädt Laura Decker an den Stand der Stiftung Liebenau ein. Damit nimmt sie jungen Menschen die Scheu, den Stand zu besuchen und den Kontakt aufzunehmen. An den Fragen erkennt Laura Decker, ob jemand aufrichtig interessiert ist. „Bei Franzi Fritz ist der Funke sofort übergesprungen“, berichtet Laura Decker über ihre erste Begegnung am Messestand. Sie informierte über Erfahrungen, die sie selbst als Jugend- und Heimerzieherin sammelte. In der Lukas-Klinik ist Decker immer ganz nah dran an den Auszubildenden. Immer ist sie im Kontakt mit ihnen, begleitet sie selbst in die Wohngruppen und gibt Orientierung. Genau diese Eigenschaften schätzt Franzi Fritz: „Dass es einen Menschen gibt, an den ich
mich immer wenden kann.“
Hospitation als Einstieg
Schon drei Wochen nach der Messe hospitierte die junge Frau in der St. Lukas-Klinik und war begeistert. Genau diesen menschlichen Kontakt vermisste sie in ihrer bisherigen beruflichen Laufbahn. Schon bald erkannte sie, dass es immer eine Prise Humor braucht. „Die Begleitung unserer Klienten erfordert Fingerspitzengefühl und eine Portion Leichtigkeit“, unterstreicht Laura Decker. Manchmal müsse es auch schnell gehen und Entscheidungen müssen ad hoc getroffen werden. Laura Decker ist es eine Herzensangelegenheit, für eine Hospitation oder für ein Praktikum in der Stiftung zu werben: „Es ist ein persönlicher Gewinn, eine Lebenserfahrung.“ Auch wenn nicht jeder Hospitierende sich für eine Ausbildung im sozialen Bereich entscheidet: „Sie nehmen eine Erfahrung mit, die auf menschlichen Begegnungen beruht. Sie lernen, Kontakte zu knüpfen, sich auszutauschen und Absprachen zu treffen.“ Franzi Fritz war schon nach ihrer Hospitation überzeugt: „Hier bin ich richtig.“ Sie entschied sich für den Beruf der Heilerziehungspflege und meldete sie sich zum sozialen Praktikum an. „Jede Art von Praktikum ist für die Berufsfindung wichtig“, informiert Laura Decker. Unabhängig davon ob es sich um ein Tages-, Schul-, freiwilliges oder Vorpraktikum handelt. Jeder Praktikant ist willkommen.
Franzi Fritz ist von der Vielfalt angetan. Sie hat in der St. Lukas-Klinik Menschen kennengelernt, die interessant sind, manchmal eine Herausforderung. Kein Tag sei gleich. Das
schätzt sie an ihrer neuen Arbeitsstelle, und dass sie Menschen gefunden hat, denen sie vertrauen kann wie Laura Decker. Seit August wirkt Franzi Fritz als Auszubildende in der Lukas-Klinik mit. (ls)

Das Buch von Peter Seybold hat den Titel „Neben dir”. Sprachlich sensibel berichtet er aus seiner Praxis im zweiten Jahr der Weiterbildung. Jede Woche verbrachte er in einer Einrichtung Zeit mit einer einzelnen Person mit Behinderung – eine Erfahrung, aus der er viel über Menschen, Profession und sich selbst lernte.
Beim „Schreddern“ beobachtet
In seinem Praktikumsbericht beschreibt er etwa die erste Begegnung mit einem jungen Mann, der schlicht „Schreddern” als gemeinsame Tätigkeit wählte. Wortloses Arbeiten, Beobachten, Stille – und die Erkenntnis, dass Heilpädagogik auch bedeutet, sich vom Gegenüber die Welt erklären zu lassen. Daraus entsteht Perspektivwechsel, Vertrauen und Respekt.
Begegnung pur
Zwischen dem Studierenden und dem begleiteten Mann entsteht langsam Vertrauen. „Das war unser erstes ‚neben dir’. Kein Konzept. Nur Begegnung.” Genau darin zeigt sich, was Haltung im Kern ist: Beziehung, die entsteht, wenn man sich wirklich auf den anderen einlässt.
Haltung entwickelt sich
Heilpädagoge und Dozent Jonas Ruf betont: „Haltung kann nicht gelehrt werden.” Sie entsteht durch Erfahrung. Sie ist geprägt von Zeit, Kultur und Werten wie Menschenwürde und christlichem Menschenbild. Aufgabe der Ausbildung ist es, diesen Prozess zu begleiten – etwa durch gute Fragen, die zur Reflexion anregen.
„Zweitreaktion” hat Vorrang
Zentrale Kompetenz in der Heilpädagogik ist das Innehalten: nicht sofort reagieren, sondern verstehen. Statt Erstreaktion zählt die Zweitreaktion. Warum handelt ein Mensch so? Biografie, Umfeld, Erfahrungen – aber auch die Haltung der Fachkraft selbst spielen eine Rolle.
Verschiedene Formate und wissenschaftliche Materialien
Am IfSB unterstützen Workshops, Blockwochen und erlebnispädagogische Angebote die Entwicklung von Haltung. In Kooperationen, etwa mit dem „Inklusiven Atelier” des ZfP, entstehen Kunst- und Musikprojekte, in denen Teilhabe unmittelbar erfahrbar wird. Auch Ausstellungen und Theaterprojekte fördern Perspektivwechsel und gemeinsames Lernen.
Eigene Muster erkennen
Wichtige Grundlage ist das „Bewusstheitsrad” nach Peter Flosdorf. Es macht sichtbar, wie Wahrnehmung, Gefühle, Gedanken, Bewertungen und Handlungen zusammenhängen. Wer Haltung entwickeln will, muss dieses „Rad” immer wieder bewusst durchlaufen – also reflektieren und üben. Wie beim Fahrradfahren wird diese Kompetenz mit der Zeit automatisiert.
Haltung gibt Sicherheit
Jonas Ruf betont zudem die Bedeutung von Vorbildern. Eigene Haltung gibt Sicherheit im Berufsalltag, besonders in herausfordernden Situationen. Heilpädagogik findet in vielen Feldern statt – von Einrichtungen für Menschen mit Behinderung über Kinder- und Jugendhilfe bis zur Arbeit mit älteren Menschen.
Dank der Anschubfinanzierung des Europäischen Sozialfonds über den Fördertopf REACT-EU konnte im Juli 2022 das PIKSL-Labor, auch Labor für digitale Teilhabe genannt, am Franziskusplatz in Friedrichshafen eröffnet werden. In Zusammenarbeit mit dem Berufsbildungswerk Adolf Aich und der Universität Konstanz wurde ein Ort geschaffen, an dem digitale Teilhabe auf Augenhöhe realisiert und gelebt wird. Die Fähigkeiten von Menschen mit und ohne Behinderungen werden gebündelt, um digitale Produkte, soziale und technische Innovationen und Dienstleistungen für alle Menschen zu entwickeln. Das Labor zur digitalen Teilhabe nennt sich bewusst PIKSLLabor Friedrichshafen. PIKSL bedeutet "Personenzentrierte Interaktion und Kommunikation für mehr Selbstbestimmung im Leben". Ein Ort, wo Menschen mit und ohne Behinderungen zusammenkommen, um innovative Ideen durch Inklusion zu verwirklichen. Im Labor werden außerdem kostenlose Kurse zu digitalen Medien angeboten. Zur nachhaltigen Etablierung des Projektes konnte eine dreijährige Förderung von Aktion Mensch erwirkt werden.
Der Funke sprang sofort über

Laura Decker und Franzi Fritz lernten sich auf einer Messe kennen. Die gelernte Jugend- und Heimerzieherin Laura Decker ist Nachwuchsbeauftragte der St. Lukas-Klinik. Dafür besucht sie
Schulen, begleitet Bildungsmessen, auch die in Ravensburg am 11. Februar 2023. Dort traf sie Franzi Fritz. Die 28-Jährige kam aus dem kaufmännischen-technischen Bereich und wollte sich beruflich komplett neu orientieren. Am Stand der Stiftung Liebenau hörte sie zum ersten Mal vom Beruf der Heilerziehungspflege. „In der Heilerziehungspflege geht es um die Möglichkeit,
sich selbst als Individuum in die Arbeit einzubringen“, informiert Laura Decker. „Wir sind keine typischen Pfleger. Wir begleiten die Menschen ganz individuell und immer im Rahmen ihrer Fähigkeiten.“ Der interdisziplinäre Austausch ist ihr wichtig. Nie werden die Mitarbeitenden sich selbst überlassen, sind immer in ein Team eingebunden. Doch wie vermittelt man dies auf einer Bildungsmesse? Mit kleinen Ratespielen lädt Laura Decker an den Stand der Stiftung Liebenau ein. Damit nimmt sie jungen Menschen die Scheu, den Stand zu besuchen und den Kontakt aufzunehmen. An den Fragen erkennt Laura Decker, ob jemand aufrichtig interessiert ist. „Bei Franzi Fritz ist der Funke sofort übergesprungen“, berichtet Laura Decker über ihre erste Begegnung am Messestand. Sie informierte über Erfahrungen, die sie selbst als Jugend- und Heimerzieherin sammelte. In der Lukas-Klinik ist Decker immer ganz nah dran an den Auszubildenden. Immer ist sie im Kontakt mit ihnen, begleitet sie selbst in die Wohngruppen und gibt Orientierung. Genau diese Eigenschaften schätzt Franzi Fritz: „Dass es einen Menschen gibt, an den ich
mich immer wenden kann.“
Hospitation als Einstieg
Schon drei Wochen nach der Messe hospitierte die junge Frau in der St. Lukas-Klinik und war begeistert. Genau diesen menschlichen Kontakt vermisste sie in ihrer bisherigen beruflichen Laufbahn. Schon bald erkannte sie, dass es immer eine Prise Humor braucht. „Die Begleitung unserer Klienten erfordert Fingerspitzengefühl und eine Portion Leichtigkeit“, unterstreicht Laura Decker. Manchmal müsse es auch schnell gehen und Entscheidungen müssen ad hoc getroffen werden. Laura Decker ist es eine Herzensangelegenheit, für eine Hospitation oder für ein Praktikum in der Stiftung zu werben: „Es ist ein persönlicher Gewinn, eine Lebenserfahrung.“ Auch wenn nicht jeder Hospitierende sich für eine Ausbildung im sozialen Bereich entscheidet: „Sie nehmen eine Erfahrung mit, die auf menschlichen Begegnungen beruht. Sie lernen, Kontakte zu knüpfen, sich auszutauschen und Absprachen zu treffen.“ Franzi Fritz war schon nach ihrer Hospitation überzeugt: „Hier bin ich richtig.“ Sie entschied sich für den Beruf der Heilerziehungspflege und meldete sie sich zum sozialen Praktikum an. „Jede Art von Praktikum ist für die Berufsfindung wichtig“, informiert Laura Decker. Unabhängig davon ob es sich um ein Tages-, Schul-, freiwilliges oder Vorpraktikum handelt. Jeder Praktikant ist willkommen.
Franzi Fritz ist von der Vielfalt angetan. Sie hat in der St. Lukas-Klinik Menschen kennengelernt, die interessant sind, manchmal eine Herausforderung. Kein Tag sei gleich. Das
schätzt sie an ihrer neuen Arbeitsstelle, und dass sie Menschen gefunden hat, denen sie vertrauen kann wie Laura Decker. Seit August wirkt Franzi Fritz als Auszubildende in der Lukas-Klinik mit. (ls)

Moderne psychologische Ansätze im Alltag
Das Konzept verbindet Pädagogik mit ACT und Motivational Interviewing. ACT hilft, trotz Belastungen handlungsfähig zu bleiben und sich an eigenen Werten zu orientieren. MI stärkt Motivation durch wertschätzende Gespräche und fördert Selbstwirksamkeit. Beide Ansätze fließen in Coaching, Förderung und Krisenarbeit ein.
Vier Kompetenzfelder im Fokus
Die Förderung orientiert sich an vier Bereichen: personale Kompetenz (Selbstvertrauen, Resilienz), soziale Kompetenz (Kommunikation, Teamarbeit), arbeits- und lernbezogene Kompetenz (Organisation, Lernstrategien) und lebenspraktische Kompetenz (Haushalt, Geld, Mobilität). Die Umsetzung erfolgt praxisnah durch Trainings, Coaching, Wohntraining und Praktika.
Das Reha-Team: gemeinsam Verantwortung tragen
Im multiprofessionellen Reha-Team arbeiten alle Bereiche eng zusammen. Ziel ist ein gemeinsames Verständnis der individuellen Situation. Verantwortung liegt beim gesamten Team. Regelmäßige Fallbesprechungen und abgestimmte Planung sichern eine wirksame Unterstützung.
Triale Ausbildung verbindet Lernen, Arbeiten und Stabilisierung
- berufliche Qualifizierung
- schulische Bildung
- Stabilisierung und persönliche Entwicklung
Alle Bereiche greifen ineinander und werden individuell angepasst. Ziel ist nicht nur ein Abschluss, sondern langfristige gesellschaftliche Teilhabe.
Ein lebendiges Konzept mit klarer Haltung
Das Konzept ist ein „lebendiges Dokument”, das weiterentwickelt wird. Grundlage sind wissenschaftliche Erkenntnisse und Erfahrungen aus der Praxis. Entscheidend bleibt die Haltung: Entwicklung gelingt durch Beziehung, Beteiligung und das Erkennen eigener Stärken.
Haltung zeigen und leben
Haltung entsteht nicht über Nacht. Sie wächst aus Erfahrungen, Überzeugungen und der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Für uns ist sie Kompass und Antrieb zugleich: Sie prägt, wie wir Menschen begegnen, wie wir unsere Angebote entwickeln und wie wir Entscheidungen treffen. Dabei bleiben wir offen für neue Perspektiven, Ideen und Wege – denn eine starke Haltung bedeutet auch, sich weiterzuentwickeln.

Die Beiträge in diesem Themendossier zeigen ganz konkret, wie wir Haltung im Alltag umsetzen.
Wie entsteht Haltung? - Vom Balanceakt zur eigenen Position
Aufrufe zum Haltung-Zeigen gibt es seit jeher und überall, oft mit einem moralisierenden Unterton oder einem schalen Beigeschmack. Nach dem Motto: „Werden schon alle wissen, was mit Haltung – und vor allem: welche Haltung gemeint ist!” Selten wird explizit danach gefragt, was denn nun eigentlich genau unter einer Haltung zu verstehen sei. Was also soll das überhaupt sein – eine Haltung? Und wie entsteht sie? Wie kann ich selbst eine eigene Haltung ausbilden? Das ist gar nicht so leicht zu beantworten.
Grenzen brauchen Worte - St. Lukas-Klinik etabliert „Bündner Standard”
Wie in vielen Einrichtungen der sozialen Arbeit, kommt es auch in der St. Lukas-Klinik immer mal wieder zu Grenzverletzungen. Seit vielen Jahren ist der professionelle Umgang damit in der St. Lukas-Klinik eingeübt und Bestandteil von Fort- und Weiterbildungen. Ausgehend von einem Fachtag in der St. Lukas-Klinik kommt seit kurzem ein Konzept hinzu, das den Umgang mit Grenzverletzungen auf ein neues Level hebt: der „Bündner Standard”. Barbara Iacone und Michael Och aus dem Bereich Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) arbeiten bereits damit. Im Interview berichten sie über das Potenzial dieses Standards.
Auf den Punkt gebracht: Michael Och und Barbara Iacone von der St. Lukas-Klinik der Stiftung Liebenau erklären im Video kurz und knapp, was sich hinter dem Bündner Standard verbirgt und bei was der Bündner Standard in der Kinder- und Jugendpsychiatrie hilft.
Die Blattmacher - inklusive Redaktion gibt Zeitung heraus
Die „wir mittendrin” hält, was ihr Name verspricht: Für die Zeitschrift der Liebenau Teilhabe arbeiten Menschen mit und ohne Einschränkungen bewusst zusammen. Gleichberechtigte Teilhabe zu ermöglichen, das ist die Haltung dahinter. Und als Beilage der Schwäbischen Zeitung macht sie Menschen mit Behinderungen öffentlich sichtbar.
Gemeinsam stark werden
Wie das Berufsbildungswerk junge Menschen ganzheitlich auf das Leben vorbereitet
Wie gelingt der Weg in Ausbildung, Arbeit und ein selbstbestimmtes Leben, wenn junge Menschen mit psychischen Belastungen, Lernschwierigkeiten oder schwierigen Lebensbedingungen kämpfen? Das Liebenauer Berufsbildungswerk Adolf Aich (BBW) gibt darauf mit seinem neuen rehapädagogischen Konzept eine klare Antwort: durch ganzheitliche Förderung, verlässliche Beziehungen und eine enge Zusammenarbeit aller Fachbereiche.
Die Welt des Gegenübers verstehen - Wie Haltung durch Begegnung entsteht
Kann man Haltung lernen? Oder umgekehrt: Lässt sich Haltung lehren? Wie Menschen in der Weiterbildung zur Heilpädagogin oder zum Heilpädagogen Haltung „erfahren”, schildern ein Studierender und eine Lehrkraft des Instituts für Soziale Berufe (IfSB) Ravensburg.
Geben und nehmen - Wie die eigene Haltung die Arbeit beeinflusst
Welcher Wert ist Ihnen im beruflichen Alltag am wichtigsten und warum? Diese Frage haben Mitarbeitende aus den verschiedensten Berufsfeldern beantwortet. Deutlich wird hierbei: Der Umgang miteinander ist bei jeder Arbeit wichtig.
Auf den Punkt gebracht: Michael Och und Barbara Iacone von der St. Lukas-Klinik der Stiftung Liebenau erklären im Video kurz und knapp, was sich hinter dem Bündner Standard verbirgt und bei was der Bündner Standard in der Kinder- und Jugendpsychiatrie hilft.



