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Resilienz – Halt finden, stark werden

Resilienz ist zu einem viel gebrauchten Begriff geworden – ein Schlagwort in einer von globalen Unsicherheiten, Megatrends und Krisen geprägten Zeit. Oft wird er nur oberflächlich verwendet, als Modewort, das schnelle Lösungen suggeriert, wenn Menschen mit persönlichen oder systemischen Umbrüchen und den damit verbundenen Unsicherheiten konfrontiert sind. Dabei stärkt diese Kraft Menschen nachhaltig. Lesen Sie, wie Menschen mit Schicksalsschlägen umzugehen gelernt haben, wie sie es schaffen auch nach Jahren im gleichen Job motiviert zu sein und was jeder Mensch tun kann, um resilient zu bleiben oder werden.

 

 

Wie es Menschen gelingt, Herausforderungen zu meistern

„Stark ist nicht, wer niemals fällt, sondern wer immer wieder aufsteht.“ Dieser dem chinesischen Philosophen Konfuzius zugeschriebene Sinnspruch bringt auf den Punkt, was Resilienz im Kern bedeutet: die Fähigkeit, Belastungen zu bewältigen, sich an Veränderungen anzupassen und trotz Krisen handlungsfähig und zuversichtlich zu bleiben.

Ein Suizidversuch und seine Folgen

Lutz Sonnenschein liegt in seinem Bett im Franziskuszentrum. Ohne Hilfe kann sich der 50-Jährige nicht bewegen, auch nicht in seinen Rolli steigen. Für vieles, was für andere selbstverständlich ist – ein Buch aufschlagen, eine Nachricht schreiben oder einfach die Position im Bett verändern – braucht er Unterstützung. Resilienz bedeutet hier vor allem eines: trotz schwerer Lebensumstände Wege zu finden, weiterzuleben.

Welcher stärkende Satz begleitet Sie durchs Leben?

Ein Portraitfoto einer Frau, die in die Kamera lächelt.
„Alles wird gut.“ Egal wie stressig oder schlimm es gerade ist: Ich weiß und bin zuversichtlich, dass es so nicht bleibt. Ich bin mir sicher, dass es auch wieder ruhiger wird und irgendwann alles gut ist. Catherine Bour, Fachabteilungsleitung SVAB Autismus, Berufsbildungswerk Adolf Aich
Ein Portraitfoto einer Frau mit Hut, die in die Kamera lächelt.
«Ich bin nicht allein» Zu wissen, dass ich privat wie auch beruflich Menschen um mich habe und wir uns gegenseitig im Alltag unterstützen und ermutigen, bestärkt mich und gibt mir den nötigen Halt. Selbstwirksamkeit und sozialer Rückhalt geben mir Kraft und Sicherheit, um herausfordernde Situationen anzunehmen und sie zu bewältigen. Sich in Stärken und Schwächen gegenseitig zu ergänzen, ist für mich eine tragfähige und existenzielle Grundlage, die in schwierigen Zeiten Stabilität gibt und Mut macht, nie aufzugeben. Birgit Gudde, Leiterin Aktivierung, Liebenau Bussnang gAG
Ein Portraitfoto eines Manns, der in die Kamera lächelt.
„Wenn ich koche, erschaffe ich nicht nur Mahlzeiten, sondern Momente des Glücks“. Genau diese Haltung gibt mir Kraft - auch in herausfordernden Zeiten. Marcel Conlé, Koch, Liebenau Service gGmbH
Ein Portraitfoto einer Frau vor einer Holzwand, die in die Kamera lächelt.
„Es gibt immer eine Lösung.“ Bei meinen vielfältigen Aufgaben bin ich täglich mit Herausforderungen konfrontiert, die angesichts der Fülle manchmal nicht mehr stemmbar zu sein scheinen. Im täglichen Tun mache ich aber die Erfahrung, dass sich stets alles löst - dank starker Teams und Kolleginnen und Kollegen, die zusammenhalten, flexibel agieren und unterstützen. Das trägt und hilft mir meine Aufgaben mit Gelassenheit, Optimismus und einer guten Portion Humor zu bewältigen. Teresa Wild, Einrichtungsleiterin GIW Rottenburg, Leiterin der ambulanten Dienste im Landkreis Tübingen
Ein Portraitfoto einer Frau, die in die Kamera lächelt.
„Wenn Zusammenarbeit Freude bereitet, entstehen die erstaunlichsten Dinge.“ Warum die Arbeit mir Freude bereitet, ist schwer zu sagen. Denn sie ist unplanbar, unberechenbar, überraschend, problembehaftet, manchmal scheint sie sogar unlösbar. Was die Arbeit also auf keinen Fall ist: langweilig, eintönig und emotionslos. Vielleicht ist es diese Mischung, vielleicht ist es das Netzwerk an Wissen, Kreativität, Problemlösen und Unterstützen. Genau kann ich es nicht sagen, aber eins weiß ich sicher: Die Arbeit macht mir Freude – ich arbeite gern hier. Patricia Philips, Pflegedienstleitung Sozialstation St. Anna
Ein Portraitfoto eines Manns, der in die Kamera lächelt.
„Handle im Kleinen so, als wäre es das Wichtigste auf der Welt, dann ordnen sich die großen Dinge von selbst wieder ein.“ Dieser Satz hilft mir gerade in schwierigen Zeiten immer wieder. Wenn das große Ganze überwältigend, unklar und erdrückend erscheint, liegt die Rettung oftmals in der Konzentration auf Details, auf den Augenblick, um weitermachen zu können. Ulrich Dobler, Pressesprecher Stiftung Liebenau

Nach mehreren „Gleiswechseln“ ist Lukas Gobbers angekommen

Schon als Kind wollte Lukas Gobbers Lokführer werden. Ihn fasziniert das Aussehen von Zügen, ihr Bau, die Designs und verschiedenen Farben, das Mächtige und Kraftvolle an ihnen. Über einige Umwege und nach Rückschlägen ist er diesem Traum sehr nahegekommen. Zwar sitzt er nicht im Führerraum, ist aber täglich auf der Schiene. Was ihm dabei geholfen hat, dennoch durchzuhalten, sein Ehrgeiz und die Unterstützung durch das Berufsbildungswerk Adolf Aich.

Quartierszentren sind soziale Herzstücke

Es scheint immer was geboten rund um den Eingang zum Rahlentreff in der Ravensburger Weststadt: Ein Kurs ist zu Ende, ein anderes Treffen beginnt. Eine Person stöbert am Ständer auf der Suche nach einem „neuen“ Kleidungsstück, jemand bringt ein paar Sachen fürs Geschenkeregal. Über 40 überwiegend ehrenamtliche Angebote im Monat sind hier verortet. Den Kitt für das Zusammenleben im Quartier bilden die Ehrenamtlichen. Auch in der Ravensburger Weinbergstraße engagieren sich Ehrenamtliche, zum Beispiel in der Digitalberatung. Der Ehrenamtliche Johannes von Welczeck und Besucherin Gerlinde Walka berichten aus ihrer Perspektive ihre Erfahrungen in der Digitalberatung:

 

Jeder ist fähig, resilient zu sein

Monika Eberhardt ist qualifizierte Coachin und zertifizierte Kursleiterin in den Bereichen Stressmanagement, Achtsamkeits- und Resilienztraining. Auch in der Akademie Schloss Liebenau bietet sie Kurse an. Für die Leserschaft hat sie Literaturtipps und Übungen zur Stärkung der Resilienz zusammengestellt:

Natur und Humor helfen immer

„Schuhe an und ab nach draußen!“- diese vermeintlich so profane, aber äußerst effektive Losung hat Marion Locher schon häufig eingesetzt, um brenzlige Situationen zu entschärfen. Deeskalation durch Ortswechsel. Die gelernte Erzieherin und Altenpflegerin leitet die beiden Wohngruppen im Haus St. Josef in Liebenau.