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Dank der Anschubfinanzierung des Europäischen Sozialfonds über den Fördertopf REACT-EU konnte im Juli 2022 das PIKSL-Labor, auch Labor für digitale Teilhabe genannt, am Franziskusplatz in Friedrichshafen eröffnet werden. In Zusammenarbeit mit dem Berufsbildungswerk Adolf Aich und der Universität Konstanz wurde ein Ort geschaffen, an dem digitale Teilhabe auf Augenhöhe realisiert und gelebt wird. Die Fähigkeiten von Menschen mit und ohne Behinderungen werden gebündelt, um digitale Produkte, soziale und technische Innovationen und Dienstleistungen für alle Menschen zu entwickeln. Das Labor zur digitalen Teilhabe nennt sich bewusst PIKSLLabor Friedrichshafen. PIKSL bedeutet "Personenzentrierte Interaktion und Kommunikation für mehr Selbstbestimmung im Leben". Ein Ort, wo Menschen mit und ohne Behinderungen zusammenkommen, um innovative Ideen durch Inklusion zu verwirklichen. Im Labor werden außerdem kostenlose Kurse zu digitalen Medien angeboten. Zur nachhaltigen Etablierung des Projektes konnte eine dreijährige Förderung von Aktion Mensch erwirkt werden.

Herr Brock, die Stiftung Liebenau beschäftigt mittlerweile Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus rund 90 Nationen. 69 Prozent davon gehören christlichen Religionen an, 14,2 Prozent anderen Religionen. 16,8 Prozent sind ohne Bekenntnis. Welche Rolle spielt die Zugehörigkeit zu einer Konfession bei der Stiftung Liebenau?

 

Michael H. F. Brock: Unsere Arbeit basiert nicht auf Bekenntnissen zu einer Religion. Auch die Nationalität spielt bei uns keine Rolle. Wir sind ja als Stiftung keine Glaubensgemeinschaft. Wir sind eine Wertegemeinschaft. Jesus von Nazaret kannte weder die Einteilung der Menschen nach Nationalität noch nach Religion. Er betrachtete die Menschen allein nach dem Gesichtspunkt der Bedürftigkeit. Sein Motto: „Was willst du, dass ich dir Gutes tue.” Eine Revolution zur damaligen Zeit. Menschen mit einem Gebrechen sah er nicht von Gott bestraft, sondern als menschliche Herausforderung ihnen heilend zu begegnen. Und das im Namen eines Gottes, der alle Menschen gleichermaßen liebt.

 

In den Leitlinien der Stiftung Liebenau steht „Wir arbeiten an unserer Haltung und orientieren uns an dem in der Bibel durch Jesu vermittelten und vorgelebten Menschenbild.” Wie darf man sich diese Arbeit vorstellen?

 

Michael H. F. Brock: Wir vergegenwärtigen uns immer wieder den Menschen Jesus von Nazaret in seiner bedingungslosen Zuwendung zum Menschen und fragen uns: Wie hätte er gehandelt? Was war ihm wichtig? Die Evangelien helfen uns dabei, sein Handeln zu verstehen und auf unseren Alltag zu übertragen. Wie ist das zu verstehen? Wie geht die Stiftung Liebenau dabei vor? Michael H. F. Brock: Wir bieten für Führungskräfte Fortbildungen, Fachtage und Studienreisen ins Geburtsland Jesu an. Der Weg zurück zu den Wurzeln des Christentums wirkt bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern nach, das ist immer wieder unsere Erfahrung. Die Orte, an denen Jesus von Nazaret gelebt und gewirkt hat selbst zu sehen und zu erspüren, erzeugt ein tieferes Verständnis der Evangelien. Zum Beispiel sich vorzustellen, dass die ersten Jünger Simon, Petrus und Andreas, Fischer am Galiläischen Meer, alles stehen und liegen ließen um ihren Weg mit Jesus zu gehen. Sein Umgang mit kranken, armen, ausgestoßenen Menschen, sein Verständnis und Gespür für ihre Lage und Bedürfnisse, ist der Kern des Caritasgedankens, bis heute.

 

Woran wäre denn zum Beispiel erkennbar, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Nachfolge Jesu handeln?

 

Michael H. F. Brock: Achtsamkeit für die Lebensaugenblicke jener, die uns anvertraut sind. Unsere Grundhaltung ist Zuwendung. Wenn wir in Einklang bringen fachlich gut und wirtschaftlich verantwortlich unterwegs zu sein und das verbinden mit einer Haltung den Menschen achtsam zugewandt zu sein, dann werden unsere Werte lebendig, die wir in der Person Jesu, in seinem Denken und Handeln, entdecken. Werte, an die wir nicht glauben müssen, sondern auf die wir uns verständigen können. Von Mensch zu Mensch darf spürbar werden, dass wir uns für die Menschen interessieren, für die Personen und ihre Bedürfnisse. Das sind unsere Fundamente. Und daran messen wir unser aller Tun.

 

Danke für das Gespräch, Herr Brock.

Die Stiftung Liebenau gründet gemeinsam mit der Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn und der Metropolie von Varna das Bulgarisch- Deutsche Sozialwerk (BDS). Ziel des BDS ist es, Arbeitslosigkeit, Armut und soziale Ausgrenzung in einem der ärmsten Länder Europas bekämpfen zu helfen und die Selbsthilfekräfte in Bulgarien zu stärken. Soziale Einrichtungen sollen dauerhaft aufgebaut und die Projekte finanziell abgesichert werden.

Heute ist die Stiftung Liebenau zusammen mit allen Beteiligungsunternehmen und der Stiftung Hospital zum Heiligen Geist Arbeitgeberin für rund 11230 (quotiert 8937) Beschäftigte in insgesamt 128 Gemeinden.

Die Casa Leben im Alter, an der die Stiftung Liebenau mit 49 Prozent beteiligt ist, plant und baut 2013 ein neues Pflegeheim in der slowakischen Stadt Pezinok. Der Neubau wird im Januar 2014 eröffnet.

Casa Slovensko

Integriert in mehreren EU-Nachbarstaaten

Das Betreuungsspektrum reicht von der Pflege, über Kindergärten hin zu medizinischen Angeboten sowie Hilfen für Menschen mit Einschränkungen. Über Oberschwaben und die Vierländerregion Bodensee hinaus in mehreren EU-Nachbarstaaten engagiert zu sein, ist Alleinstellungsmerkmal und liegt zugleich in der DNA der Stiftung Liebenau. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts reiste Stiftungsinitiator Kaplan Adolf Aich durch Europa und war selbst jahrelang in der Schweiz als Lehrer tätig. Diese Erfahrung brachte er mit als er in Tettnang Kaplan wurde. Nach Initiativen für ein neues Krankenhaus und eine Kindertagesstätte griff Aich den Vorschlag auf, sich für Menschen mit Behinderungen einzusetzen.

 

Herausforderungen sind überall ähnlich

Heute sehen sich die Menschen in Europa und darüber hinaus mit einer Vielzahl von Herausforderungen konfrontiert, die nahezu gleichzeitig auftreten. Es seien genannt demografischer Wandel, Klimawandel, Digitalisierung sowie Migration und Integration. Und überall stellen sich ähnliche Fragen – gerade mit Blick auf den Sozialbereich und die Sozialpolitik: Wie können qualitative, soziale Angebote aufrechterhalten werden? Wie sehen diese in Zukunft aus? Wie und woher gewinnen wir ausreichend Fachkräfte hierfür? Und wie können digitale und technische Assistenzsysteme im Arbeitsalltag helfen?

 

EU-Sozialpolitik schafft Rahmenbedingungen

Antworten auf diese Fragen versucht die Sozialpolitik in der EU auf Ebene ihrer Mitgliedstaaten zu geben. Diese sind hauptsächlich für die Gestaltung der jeweiligen Pflege-, Gesundheits-, Teilhabe- und Arbeitsmarktpolitik zuständig. Die Rahmenbedingungen bei Ressourcen, Personal und Aufsicht unterscheiden sich aber von Land zu Land. Ergänzend flankiert die europäische Sozialpolitik die nationalen Sozialsysteme durch europäische Wettbewerbsvorschriften, zum Beispiel durch das Beihilfeoder Vergaberecht. Dazu kommen Regelungen zur Arbeitnehmerfreizügigkeit oder Strukturförderinstrumente wie der Europäische Sozialfonds. So werden aus Letzterem zum Beispiel Austauschprogramme und Lernreisen im Rahmen des beliebten ERASMUS-Programms finanziert.

 

Verantwortlichkeit innerhalb der Staaten variiert

Historisch betrachtet, entstanden in den meisten europäischen Staaten ab Ende des 19. Jahrhunderts die Grundstrukturen der heutigen sozialen Sicherungssysteme mit ihrer jeweils eigenen Sozialstaatsarchitektur. Länder mit stärker zentralstaatlich oder stärker föderal ausgeprägten Staats- und Verwaltungskulturen unterscheiden sich bis heute hinsichtlich der Teilung der Verantwortung zwischen Zentralstaat, den Regionen/ Bundesländern/ Kantonen und Kommunen oder auch hinsichtlich rechtlicher und finanzieller Vorgaben zu Sozialansprüchen und -leistungen.

 

Unterschiedlichkeit fordert verlässliche Partner vor Ort

Kurzum: Trotz gleicher Herausforderungen und Fragen – überall in Europa sind die Bedingungen für die soziale Arbeit in der Praxis anders. Somit startete 1998 für die Stiftung Liebenau nicht nur ihr länderübergreifendes Engagement, sondern zugleich auch eine „Lernreise”, mit dem Ziel diese Unterschiedlichkeit bei der Anbahnung neuer Projekte jenseits Süddeutschlands zu berücksichtigen. Dabei zeigte sich, dass neben einer sorgsamen Prüfung der konkreten Bedingungen für ein Tätigwerden, interkulturelle Kompetenzen sowie verlässliche Partner vor Ort, mit gleichen Werten, wesentliche Erfolgsfaktoren bei der Umsetzung sind.

Die Stiftung Liebenau gründet gemeinsam mit der Caritas der Diözese Bozen-Brixen in Südtirol (Italien) die Stiftung St. Elisabeth/ Fondazione S. Elisabetta. Der Stiftungszweck der neugegründeten Stiftung liegt im Sozial- und Bildungsbereich. Zum 1. Januar 2010 übernimmt die Fondazione S. Elisabetta das Bildungshaus Lichtenburg. Es besteht seit 1963 und zählt zu den traditionsreichsten Bildungseinrichtungen in Südtirol.

Stiftung Liebenau Italien

Die schweizerische Stiftung Villa Helios, die in Goldach (Kanton St. Gallen) ein Pflegeheim betreibt, wird auf Wunsch der dortigen Stiftung zum 1. Januar 2004 in den Verbund der Stiftung Liebenau integriert. Damit besteht nun der Austausch nicht nur zwischen Deutschland, Bulgarien und Österreich, sondern auch mit der Schweiz.

Stiftung Liebenau Schweiz

Im Januar 1998 erfolgte mit der Übernahme dreier Pflegeheime der vorarlbergischen Landeshauptstadt Bregenz der Startschuss für die Tätigkeit der Stiftung Liebenau im europäischen Ausland. Die Stadt Bregenz war auf die Stiftung Liebenau mit der Anfrage zugekommen, ob sie bereit wäre, die Betriebsträgerschaft dieser Heime zu übernehmen.

Stiftung Liebenau Österreich

Dank der Anschubfinanzierung des Europäischen Sozialfonds über den Fördertopf REACT-EU konnte im Juli 2022 das PIKSL-Labor, auch Labor für digitale Teilhabe genannt, am Franziskusplatz in Friedrichshafen eröffnet werden. In Zusammenarbeit mit dem Berufsbildungswerk Adolf Aich und der Universität Konstanz wurde ein Ort geschaffen, an dem digitale Teilhabe auf Augenhöhe realisiert und gelebt wird. Die Fähigkeiten von Menschen mit und ohne Behinderungen werden gebündelt, um digitale Produkte, soziale und technische Innovationen und Dienstleistungen für alle Menschen zu entwickeln.

 

Das Labor zur digitalen Teilhabe nennt sich bewusst PIKSLLabor Friedrichshafen. PIKSL bedeutet "Personenzentrierte Interaktion und Kommunikation für mehr Selbstbestimmung im Leben". Ein Ort, wo Menschen mit und ohne Behinderungen zusammenkommen, um innovative Ideen durch Inklusion zu verwirklichen. Im Labor werden außerdem kostenlose Kurse zu digitalen Medien angeboten. Zur nachhaltigen Etablierung des Projektes konnte eine dreijährige Förderung von Aktion Mensch erwirkt werden.

Die politische Notwendigkeit sich in Umwelt, Raumordnungsund Gewässerschutzfragen grenzübergreifend abzustimmen, bildete in den 1960er und 1970er Jahren den Ausgangspunkt für die Gründung der Internationalen Bodenseekonferenz (IBK). Heute, 50 Jahre später, ist die IBK ein differenziert aufgestelltes Bündnis mit diversen Kommissionen für den fachlichen Austausch geworden. Als in allen Anrainerstaaten des Bodensees tätiges Sozialunternehmen ist die Stiftung Liebenau eine wichtige Partnerin der IBK, die ihr Know-how, ihre Konzepte und Innovationen allen Mitgliedern im Rahmen von Fachveranstaltungen vorstellt und offen ist für den zukunftsgerichteten fachlichen Austausch.

 

Im Jubiläumsjahr 2022 der IBK richtete die Stiftung Liebenau die länderübergreifende Fachtagung „Zukunft der Pflege 2035” in Liebenau aus und bot Praktikerinnen und Experten aus dem Pflege- und Gesundheitsbereich, von Pflege(hoch) schulen und aus Politik und Verwaltung die Möglichkeit zum länderübergreifenden Austausch.

In Auslandspraktika können Auszubildende neue berufliche Kenntnisse und Fähigkeiten sammeln, ihre Sprachkenntnisse verbessern und selbstständiger werden. Deshalb kooperiert das BBW (Liebenau Berufsbildungswerk gGmbH) seit 2008 mit zwei nahe der norwegischen Hauptstadt Oslo gelegenen Schreinereien. Den Kontakt zu den beiden Betrieben hat ein ehemaliger, nach Norwegen ausgewanderter Mitarbeiter des BBW hergestellt.

 

Abgesehen von einer coronabedingten Pause in den Jahren 2020 und 2021 reist jährlich eine kleine Gruppe von Auszubildenden des BBW für drei bis sechs Wochen nach Norwegen, zuletzt im Mai 2022. Die meisten schwärmen von „hilfsbereiten Kollegen, netten Chefs und einer tollen Arbeitsatmosphäre“. Begleitet und unterstützt werden die jungen Menschen von ihrem Ausbilder und einer Bildungsbegleiterin. Die Finanzierung erfolgt über das europäische Programm Erasmus+ und wird vom BBW organisiert. Auch um den Flug und die Unterkunft, ein Haus mit Blick über den Oslo-Fjord, kümmert sich das BBW.

„Ich habe in der Küche mitgearbeitet, bei der Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner geholfen, deren Zimmer gereinigt und Wäsche gewaschen", berichtet Luciano Guerriero, Auszubildender bei der Liebenau Service, der eine Station seiner Ausbildung in Österreich im Haus St. Anna der Liebenau Österreich in Bartholomäberg im Montafon absolvierte.

 

Der 23-Jährige ist einer von sechs jungen Menschen, die bei der Liebenau Service den Ausbildungsberuf Hauswirtschafter/Hauswirtschafterin lernen. Innerhalb von drei Jahren werden sie zu gefragten Fachkräften. Ihre Ausbildung führt sie dabei auch in die Häuser der Stiftung Liebenau, wo sie aktiv mitarbeiten und Einblicke in ihren späteren Berufsalltag bekommen. Das kann auch außerhalb Deutschlands sein, wie im Falle von Luciano Guerriero. Hausleiter Florian Seher und Pflegedienstleiterin Claudia Ganahl freuten sich über die tatkräftige Unterstützung des engagierten Azubis. „Er hat seine Aufgaben nicht nur in der Hauswirtschaft, sondern darüber hinaus in der Betreuung der alten, pflegebedürftigen und demenzkranken Bewohnerinnen und Bewohner ausgezeichnet erfüllt.”

Gemeinsames Wissen, gemeinsame Werte: Das European Care Certificate (ECC) ist die europäische Grundlage für Beschäftigte im pflegenahen Sozialbetreuungsbereich. Es wird im Jahr 2006 von der EASPD (European Association of Service providers for Persons with Disabilities = Europäischer Verband der Leistungserbringer für Menschen mit Behinderung) zusammen mit Organisationen aus 20 europäischen Ländern entwickelt. Seitdem haben die Partner 54 Lernergebnisse, ein Schulungs- und Mentoren-Programm sowie eine europaweit vergleichbare Prüfung entwickelt und erprobt.

 

Bulgarischer Landesvertreter des ECC ist das Bulgarisch-Deutsche Sozialwerk (BDS), das seit 2008 von Monika Heitmann im transnationalen ECC-Vorstand repräsentiert wird. Seit 2010 realisierte sie ECC-Prüfungen für 240 Personen und Kurse für 105 Personen in Kooperation mit bulgarischen Partnerorganisationen. „Das BDS ist definitiv ein Multiplikator für das ECC”, brachte Monika Heitmann die Zahlen auf den Punkt, als es Mitte Juni 2022 im Europahaus in Sofia vor rund 30 Fachkräften aus sozialen (Lehr-) Berufen sowie Vertretern sozialer Institutionen um „Das ECC und die Zukunft der Sozialberufe in Bulgarien” ging. Das Bild zeigt Vortragende zum Thema „ECC und die Zukunft der Sozialberufe in Bulgarien” im Europahaus in Sofia.

 

Hier finden Sie ein Interview mit Monika Heitmann, BDS- Projektleiterin >

St. Anton am Arlberg. Bei diesem Namen schlagen die Herzen von Wintersportfreunden höher. 350 Kilometer Ski- und 200 Kilometer Tiefschneeabfahrten locken schneehungrige Gäste in die knapp 2500 Seelen-Gemeinde. Die Wintersaison ist die Hoch-Saison für die Hotels und Pensionen im Ort. 43 dieser Häuser werden dann ein bis zwei Mal wöchentlich mit frischer Bettwäsche, Dusch- und Handtüchern aus der stiftungseigenen Wäscherei versorgt.

 

Auf verschneiten Straßen und rutschigen Einfahrten eine echte Herausforderung für die Kolleginnen und Kollegen der Transportlogistik. Mit 37 Tonnen frischer Wäsche ging es 2010 los. In der vergangenen Wintersaison waren es bereits 64 Tonnen. „Viele der Kunden kennen wir seit Jahren. Den fast schon familiären Kontakt schätzen wir sehr”, so Silke Mayer, Leitung Kundenmanagement. „Trotz der nicht immer einfachen Straßenverhältnisse erfolgen Lieferungen immer termingerecht und pünktlich. Auf menschlicher Ebene ist das gesamte Team im persönlichen Umgang erfreulich unkompliziert, immer sehr freundlich und engagiert”, so unisono die Familie Eiter vom Hotel Rundeck, die von Anfang an Kunde ist.

Bei ihren internationalen Aktivitäten ist die Stiftung Liebenau mit dem europäischen Netzwerk der Caritas verbunden. Und dies nicht nur mit Blick auf sozialunternehmerische Projekte, sondern auch im Bereich des Wissens- und Erfahrungsaustausches. So begrüßte die Stiftung St. Elisabeth 15 Führungskräfte der Caritas Oberösterreich in Südtirol. Über die Arbeit der Stiftung Liebenau in Österreich im nördlichsten Bundesland der Alpenrepublik kam der Kontakt zustande.

 

Die hieraus entstandene Lernreise wurde im Rahmen des Programms Erasmus+ Care 4.0, einem Programm der Europäischen Union, durchgeführt. Im Fokus standen der Besuch von Einrichtungen und vor allem der Erfahrungsaustausch mit anderen Fach- und Führungskräften über Konzepte und die Zukunft des Pflege- und Betreuungssektors. Ein ebenfalls geplanter Besuch bei den deutschen Pflegeunternehmen der Stiftung Liebenau konnte in Folge der Pandemie leider nicht mehr realisiert werden.

Europa: Einheit in Vielfalt

Ein starkes Netzwerk

So unterschiedlich die sechs europäischen Länder sind, in denen die Stiftung Liebenau soziale Dienstleistungen anbietet, so unterschiedlich sind auch die Sozialsysteme. Trotzdem, oder gerade deswegen, können wir voneinander lernen und uns unterstützen. Das Fundament dafür sind gleiche Werte und eine Haltung zum Menschen, die Fürsorge, Begleitung und Betreuung auf Augenhöhe ermöglicht.

 

Beispiele für internationalen Austausch sowie Statements von europäisch orientierten Funktionsträgern und Mitarbeitenden sehen Sie im Folgenden:

Überall anders – Soziales in Europa

Das Jahr 1998 markiert für die Stiftung Liebenau den Startpunkt der Entwicklung hin zu einem europäischen Sozialunternehmen. Mit Übernahme der Trägerschaft für drei Altenheime in der vorarlbergischen Landeshauptstadt Bregenz wurde sie erstmals außerhalb der Landesgrenzen aktiv. Heute, 25 Jahre später, gibt es zahlreiche weitere Standorte in Österreich, dazu in der Schweiz, in Südtirol und weiteren Teilen Italiens sowie im westlichen Teil der Slowakei und in Bulgarien.

Soziales aus Europa - Stimmen aus der Politik

Lisa Schüler, Leiterin der Hauptvertretung des Deutscher Caritasverband e.V. in Brüssel
Lisa Schüler, Leiterin der Hauptvertretung des Deutscher Caritasverband e.V. in Brüssel:
Die Europäische Union wurde nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges als Friedens- und Wohlstandsprojektgegründet – beides ist heute aktueller denn je. Angesichts von Krieg und Krisen braucht Europa eine starke soziale Dimension, die alle Politikfelder durchdringt. Sozialpolitische Initiativen der EU wie die „Europäische Säule sozialer Rechte”, ein europäisches Mindesteinkommen oder die EU-Pflegestrategie sind wichtige Impulse, müssen aber von nationalen Akteuren aufgegriffen und umgesetzt werden. EU-Förderprogramme wie der Europäische Sozialfonds Plus, Erasmus+ oder der Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds helfen dabei, EU-Politik auf die lokale Ebene zu übertragen. Persönlich und fachlich profitieren wir von einem Blick über den eigenen Tellerrand und einem engen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen EU-Ländern. Als Caritas geben wir schutzbedürftigen Menschen eine Stimme in Europa. Gleichzeitig setzen wir uns für die Anliegen sozialer Träger und Unternehmen ein – getreu unseres Mottos „Not sehen und handeln”.
Dr. med. Christian Bernhard, Vorsitzender Kommission Gesundheit und Soziales Internationale Bodenseekonferenz
Dr. med. Christian Bernhard, Vorsitzender Kommission Gesundheit und Soziales Internationale Bodenseekonferenz:
Was alle angeht, können nur alle lösen.” Dieses Motto bewährt sich in der grenzüberschreitenden Vernetzungstätigkeit der Internationalen Bodenseekonferenz seit vielen Jahren und hat auch für die Zusammenarbeit bei den europaweit wichtigen Gesundheits- und Sozialthemen Gültigkeit und Bedeutung. Die zahlreichen Herausforderungen in diesen Feldern verlangen nach einer gemeinsam getragenen strategischen Ausrichtung, um durch die Bündelung von Kräften und die Abstimmung von Maßnahmen sowie durch personellen und ideellen Austausch die besten Bedingungen für die Bevölkerung in Europa sicherstellen zu können. Ich bin überzeugt, dass mit engagierten und kompetenten Systempartnern zukunftstaugliche Lösungen immer erreicht werden und wünsche mir, dass sich auf europäischer Ebene diese Zusammenarbeit so erfolgreich und befriedigend gestalten möge wie der Austausch der Internationalen Bodenseekonferenz mit der Stiftung Liebenau.
Staatsministerin Melanie Huml, MdL, Bayerische Staatsregierung
Staatsministerin Melanie Huml, MdL, Bayerische Staatsregierung:
Bayern tritt ein für ein soziales Europa, das für alle seine Bürgerinnen und Bürger Beschäftigung und Wohlstand schafft. Unser Leitbild ist die soziale Marktwirtschaft, die es ohne soziale Sicherheit nicht geben kann. Hierzu brauchen wir pragmatische und unbürokratische Lösungen für mehr Chancengerechtigkeit, Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum in ganz Europa. Wir müssen aber auch europäisch denken und uns zunutze machen, dass die Sozialsysteme in den Mitgliedstaaten historisch unterschiedlich gewachsen sind. Mit dieser bunten Vielfalt an Konzepten können wir voneinander lernen. So unterstützt Bayern den Austausch von bewährten Verfahren. Dies gilt beispielsweise bei der dualen Berufsausbildung, die ein deutsches Erfolgsmodell ist und als Vorbild in anderen Mitgliedstaaten dienen kann.
Dr. Claudius Luterbacher, Leiter Amt für Soziales, Kanton St. Gallen / Schweiz
Dr. Claudius Luterbacher, Leiter Amt für Soziales, Kanton St. Gallen / Schweiz:
Soziale Anliegen halten sich nicht an Landesgrenzen. Wir wünschen uns alle Chancengerechtigkeit für alle, Zugang zu fair bezahlter Erwerbsarbeit, würde- und liebevolle Pflege im Fall der Bedürftigkeit, eine Gesellschaft, in der sich alle Menschen als nützliche Mitglieder erfahren können. In Realität sind die Systeme der sozialen Sicherung stark von nationalstaatlichen Regelungen geprägt. So findet sich innerhalb Europas gleich wie innerhalb der Schweiz eine Vielfalt an Systemen. Sie führen zu Brüchen oder zu Problematiken wie Wanderphänomenen im Gesundheitsbereich. Aber sie können auch eine Chance sein: als Ideenlabor für Verantwortliche, als Vorbild für best practice. Wer schon den Blick über die eigenen Grenzen hinaus gerichtet hat, wie das die Stiftung Liebenau erfolgreich macht, weiß um den großen Mehrwert. Hier macht das soziale Europa auch nicht Halt an EU-Grenzen.
Landesrätin Waltraud Deeg, Südtiroler Landesregierung
Landesrätin Waltraud Deeg, Südtiroler Landesregierung:
Die großen Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft machen nicht an Landesgrenzen Halt, sondern können nur in grenzüberschreitender, interdisziplinärer Zusammenarbeit gelöst werden. Dazu zählt für mich der soziale Ausgleich. Nicht zuletzt die Pandemie hat gezeigt, dass Solidarität, Menschlichkeit und gute Netzwerkarbeit dabei helfen, Krisen zu überwinden und Menschen aufzufangen, zu unterstützen und zu tragen. In unserem Europa gibt es viele erprobte Modelle eines zukunftsorientierten Sozialwesens. Durch Austausch und Zusammenarbeit können wir voneinander lernen und unsere Sozialpolitik weiterentwickeln. Denn: Sich für das Wohl der Kinder, der jungen Menschen, der Familien, der älteren Menschen und ihrer pflegenden Angehörigen einzusetzen, ist unser aller Auftrag.
Landeshauptmann Mag. Markus Wallner, Vorarlberg
Landeshauptmann Mag. Markus Wallner, Vorarlberg:
Vorarlberg befindet sich in einer vorteilhaften Lage - in einer wirtschaftlich starken Vierländerregion im Herzen Europas. Als Europäerinnen und Europäer denken wir grenzüberschreitend und finden kooperativ Lösungen. In der Vielfalt sehen wir – wie auch die international tätige Stiftung Liebenau – Chancen und neue Perspektiven zum Wohl der Bevölkerung. Soziale Herausforderungen machen oftmals nicht vor Grenzen Halt. Auf europäischer Ebene wurden deshalb aktuell sozialpolitische Empfehlungen für alle Mitgliedsländer beschlossen, unter anderem zur Bekämpfung von Armut sowie zur Sicherstellung von Langzeitpflege und frühkindlicher Betreuung. Aus Vorarlberger Sicht unterstützen wir diese EU-Initiative. Trotzdem bewahren wir uns den Handlungsspielraum, um auch künftig eigenständig die treffsichere Sozialpolitik zu machen, die die Menschen im Land benötigen.

25 Jahre Auslandserfahrung

 

Bevor die Stiftung Liebenau begann ihre Tätigkeit über die Landesgrenzen hinweg auszuweiten, beschäftigte sie rund 3300 Mitarbeitende und hatte Einrichtungen in 28 Gemeinden.

Heute ist die Stiftung Liebenau zusammen mit allen Beteiligungsunternehmen und der Stiftung Hospital zum Heiligen Geist Arbeitgeberin für rund 11230 (quotiert 8937) Beschäftigte in insgesamt 128 Gemeinden.

Europa? Woran merken Sie, dass Sie Teil eines europäischen Unternehmens sind?

Gabriele Nussbaumer, Aufsichtsrätin Stiftung Liebenau (Österreich)
Gabriele Nussbaumer, Aufsichtsrätin Stiftung Liebenau (Österreich):
Die Erwartungen der Bewohnerinnen und Bewohner und der Pflegekräfte sind nicht überall dieselben. Während uns in Österreich beispielsweise der Wunsch nach Einzelzimmern und Privatsphäre wichtig sind, fühlen sich die Menschen in Italien wohler, wenn sie nicht allein sind. Kulturell bedingte Unterschiede zu berücksichtigen, lernen wir als Aufsichtsratsmitglieder vor Ort, wenn wir Einrichtungen besuchen und die speziellen Bedürfnisse kennenlernen.
Dilyana Gyurova, Geschäftsführerin Liebenau Bulgaria (Bulgarien)
Dilyana Gyurova, Geschäftsführerin Liebenau Bulgaria (Bulgarien):
Eine ausgezeichnete Frage! Manchmal merke ich es an ganz praktischen Sachen, wie zum Beispiel, dass ich heutzutage auch die Uhrzeit in Deutschland an meinem PC habe, nachdem ich ein paarmal gemeinsame Online-Termine verpasst habe, weil ich zur falschen Uhrzeit eingestiegen bin. Oder dass ich in den Kalender schaue, um zu prüfen, ob es überall auch ein Werktag ist.
Katarina Pronayova, Regionalmanagerin Casa Slovensko (Slowakei)
Katarina Pronayova, Regionalmanagerin Casa Slovensko (Slowakei):
Ich merke es in Strategiemeetings und Treffen mit den Kolleginnen und Kollegen aus der Casa Leben gGmbH, bei denen wir viele neue Ideen austauschen. Besonders die Unterstützung bei neuen Projekten aufgrund langjähriger Erfahrungen und Konzepte beim Thema Pflege, hat uns dabei geholfen, zu einem der innovativsten Pflegeheime in der Slowakei zu gehören.
Mirjam Schmidhauser, Leiterin Pflegeheim Helios Goldach (Schweiz)
Mirjam Schmidhauser, Leiterin Pflegeheim Helios Goldach (Schweiz):
Im Frühling 2022 durfte ich am „Tag für neue Führungskräfte” in Liebenau teilnehmen. Damit verbunden war für mich eine Reise ins Ausland. An diesem Austausch wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass ich in einem internationalen Unternehmen arbeiten darf. Dieser internationale Austausch war für mich sehr spannend und wertvoll.
Yvonne Denzler, Leiterin Haus der Pflege St. Sebastian Deggenhausertal (Deutschland)
Yvonne Denzler, Leiterin Haus der Pflege St. Sebastian Deggenhausertal (Deutschland):
Dass in unserem Haus zwei Drittel der Mitarbeitenden aus dem Ausland kommen, davon etwa zehn aus europäischen Ländern, wie Polen, Slowakei, Rumänien, Italien, Ukraine oder Türkei. Für uns ist es Normalität geworden, mit unterschiedlichen Nationalitäten umzugehen. Wir können viel voneinander lernen und gehen sehr respektvoll miteinander um. So erleben auch unsere Bewohnerinnen und Bewohner, dass die Welt bunt und vielfältig ist. Unsere Mitarbeitenden werden, unabhängig von ihrer Herkunft, beruflich gefördert und respektiert.
Silvia Alberti, Hausleiterin Casa Santa Teresa und Casa San Guiseppe (Italien/Lombardei)
Silvia Alberti, Hausleiterin Casa Santa Teresa und Casa San Guiseppe (Italien/Lombardei):
Ich versuche, die Werte, Leitlinien und Ziele der Stiftung Liebenau in die Praxis umzusetzen. Besonders hilfreich finde ich dabei das Logo der Stiftung Liebenau, das die Geschichte vom barmherzigen Samariter darstellt. Zwei Menschen begegnen sich auf Augenhöhe. Es gibt mir ein gutes Gefühl, zu wissen, dass ich Teil eines größeren Ganzen bin. Im Kontext der Stiftung Liebenau und der katholischen Kirche ist es vor allem der Wert des Menschen, den ich gut mittragen kann. Es ist auch sehr hilfreich zu wissen, dass man bei globalen Schwierigkeiten oder Herausforderungen, wie der Corona-Pandemie, Teil eines großen Netzwerks ist und Unterstützung erhält.

Hier wird Europa gelebt! Förderungen und Projekte

Dank der Anschubfinanzierung des Europäischen Sozialfonds über den Fördertopf REACT-EU konnte im Juli 2022 das PIKSL-Labor, auch Labor für digitale Teilhabe genannt, am Franziskusplatz in Friedrichshafen eröffnet werden. In Zusammenarbeit mit dem Berufsbildungswerk Adolf Aich und der Universität Konstanz wurde ein Ort geschaffen, an dem digitale Teilhabe auf Augenhöhe realisiert und gelebt wird. Die Fähigkeiten von Menschen mit und ohne Behinderungen werden gebündelt, um digitale Produkte, soziale und technische Innovationen und Dienstleistungen für alle Menschen zu entwickeln.

 

Das Labor zur digitalen Teilhabe nennt sich bewusst PIKSLLabor Friedrichshafen. PIKSL bedeutet "Personenzentrierte Interaktion und Kommunikation für mehr Selbstbestimmung im Leben". Ein Ort, wo Menschen mit und ohne Behinderungen zusammenkommen, um innovative Ideen durch Inklusion zu verwirklichen. Im Labor werden außerdem kostenlose Kurse zu digitalen Medien angeboten. Zur nachhaltigen Etablierung des Projektes konnte eine dreijährige Förderung von Aktion Mensch erwirkt werden.

Eine Frage der Haltung

Viele Häuser und Dienste in den Ländern, in denen die Stiftung Liebenau tätig ist, haben trotz der Vielfalt an länderspezifischen Rahmenbedingungen der sozialen Arbeit eines gemeinsam: Sie orientieren sich am christlichen Menschenbild. Was heißt das konkret für die Unterstützung und Begleitung von Menschen, die der Hilfe bedürfen? Was macht das christliche Menschenbild aus? Im Interview mit Vorstand Prälat Michael H. F. Brock nähern wir uns diesen Fragen an.

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