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Genau dies hat sie geschafft. Seit 2012 braucht sie keinen Fixieranzug mehr, seit 2014 kommt sie ohne Beruhigungsmittel zurecht und seit 2016 arbeitet sie kontinuierlich in den Werkstätten der Stiftung Liebenau – zunächst in der Wäscherei und seit kurzem in der Lampenmontage. Es gefällt ihr. „Die Arbeit macht Spaß, ich habe nette Kollegen, die Atmosphäre ist gut und ich bekomme Lohn.“ Dass sie sich von diesem Geld eigene Möbel für ihr Apartment kaufen konnte, freut sie sehr.

 

Viele Tiefen durchlebt

An die Vergangenheit erinnert sich Janine Czech nicht gern. Denn sie hat viele Tiefen durchlebt. Als sie zehn Monate alt war, gab ihre Mutter sie in ein Heim in Sachsen-Anhalt. Ihr Vater, der in Thüringen lebte, nahm sie dann zu sich. Bei ihm blieb sie bis zu ihrem 17. Lebensjahr. Sie absolvierte eine dreijährige Ausbildung zur Hotelfachfrau, doch epileptische Anfälle und Borderline-Symptome machten ihr zu schaffen. In Thüringen kam sie zunächst in ein Wohnheim für Jugendliche, dann in ein Wohnheim für Erwachsene. Als ihr inzwischen verstorbener Vater und ihre „Mutti“, wie sie ihre Stiefmutter liebevoll nennt, berufsbedingt ins Allgäu zogen, ging sie mit. Damals war sie 25 Jahre alt. Nach einer kurzen Station in Isny kam sie nach Liebenau. Hier lebt sie seit dem Jahr 2007. „Damals ging es mir nicht gut“, sagt sie.

 

Bei Bedarf Unterstützung

Von der Stiftung Liebenau hat sie seither viel Unterstützung erfahren – in den sozialtherapeutischen Wohngruppen genauso wie in der Erwachsenenpsychiatrie der St. Lukas-Klinik. Geholfen haben ihr auch Einzelgespräche und verschiedene therapeutische Gruppen. Zum Beispiel hat sie in der Skills-Gruppe gelernt, wie sie sich aus eigener Kraft beruhigen kann, wenn sie unter Druck steht. „Dann höre ich Musik“, erzählt sie, „zum Beispiel Schlager von Vicky Leandros oder Nino de Angelo. Damit komm‘ ich runter.“

 

Eigenverantwortlich leben

Janine Czech genießt es, dass sie viele Angelegenheiten des täglichen Lebens eigenverantwortlich erledigen kann. Sie geht selbstständig zur Arbeit und zum Essen in die Kantine. Sie richtet ihre Medikamente selbst her und kann alleine mit dem Bus zum Arzt oder zum Einkaufen fahren. Sie geht gerne in eine Frauengruppe und nutzt die tägliche Kontaktzeit mit ihrer Betreuerin. Und sie kann selbst gut einschätzen, wann sie Unterstützung braucht. Dies sagt sie dann auch. Denn sie weiß, dass sie mit ihren Anliegen jederzeit willkommen ist. Inzwischen hat sie ein neues Ziel: „Ich hoffe, dass ich ins Ambulant Betreute Wohnen komme.“

Erfolg ist immer eine ganz persönliche Angelegenheit

Da die Ziele unterschiedlich sind, ist Erfolg immer eine ganz persönliche Angelegenheit. Im Sport zum Beispiel: Für Person A ist bereits die Teilnahme an einem Wettbewerb das Ziel, während Person B darauf hintrainiert, eine persönliche Bestzeit zu laufen. Person C hat sich vorgenommen den Lauf einfach durchzuhalten und ins Ziel einzulaufen, egal mit welchem Ergebnis.

 

Auch bei Unternehmen gibt es ganz verschiedene Maßstäbe dafür, was als Erfolg verbucht werden kann. Alle Ausbildungsplätze zu besetzen, kann zum Beispiel ein Ziel sein, ausreichend Fachkräfte einstellen zu können oder ein neues Produkt zu entwickeln. Um hier erfolgreich sein zu können, sind Innovationen, Umstrukturierungen oder neue Konzepte nötig, die alle in die betriebswirtschaftlichen Jahresziele eingebettet werden müssen. Je größer ein Unternehmen ist, desto mehr Menschen sind in diese Prozesse eingebunden: Mit Führungskräften werden Zielvereinbarungsgespräche geführt, die Führungskräfte wiederum brauchen Mitarbeitende, um die vereinbarten Ziele zu erreichen. Und diese Mitarbeitenden haben auch wieder ganz persönliche Ziele.

 

Erfolg braucht Ziele

Ohne Ziele keine Erfolge. So lautet also das Prinzip, ob bei Zielen auf persönlicher Ebene, als Gemeinschaftswerk in einem Unternehmen oder bei einer Sportmannschaft. Bei Sozialunternehmen wie der Stiftung Liebenau kommt noch eine wesentliche Ebene hinzu: Die Stiftung Liebenau hat den Auftrag, Menschen mit den unterschiedlichsten Einschränkungen zu größtmöglicher Teilhabe zu verhelfen und sie auf ihrem Weg zu begleiten und zu unterstützen. All ihre rund 380 Einrichtungen und Dienste in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien, der Slowakei und Bulgarien verfolgen dieses Ziel, denn handlungsleitend für die Stiftung Liebenau ist – gemäß ihrem Leitwort „In unserer Mitte – Der Mensch“ – der individuelle Hilfebedarf eines Menschen. Von Erfolg bei sozialen Dienstleistungen kann daher nur gesprochen werden, wenn es gelungen ist, einem Menschen dem Ziel der Teilhabe ein Stück näher zu bringen.

 

Mit den hoch differenzierten und individuellen Hilfeleistungen der Stiftung Liebenau ist vieles möglich. Ein junger Mann schafft es im Berufsbildungswerk der Stiftung Liebenau mit Unterstützung von Ausbildungs- und Lehrkräften, dem psychologischen Dienst und Erzieherinnen und Erziehern seine Ausbildung durchzuziehen, sie abzuschließen und direkt einen Job zu finden. Dazu musste er zahlreiche Steine aus dem Weg räumen. Eine Bewohnerin im Sozialtherapeutischen Wohnheim der St. Lukas-Klinik, wo sie von einem multiprofessionellen Team begleitet wird, ist inzwi schen so stolz auf die kleinen Ziele, die sie mit Unterstützung der Fachkräfte erreicht hat, dass sie ihre Geschichte gern erzählt. Nach dem Erfolgsrezept für die vielen Siege seiner Fußballmannschaft gefragt, erklärt der Trainer, dass nicht das Siegen sein Ziel ist, sondern ein respektvoller und empathischer Umgang miteinander, der die Mannschaft zusammengeschweißt hat. Die Siege stellten sich dann von allein ein. Manchmal muss ein Ziel in mehrere Zwischenziele aufgeteilt werden: Seit Jahren hat ein Paar sich gewünscht zu heiraten. Erst zogen sie zusammen, um zu probieren, wie das Zusammenleben klappt. Dann standen sie vor ihrem Traumziel, zu heiraten. Schritt für Schritt wurden sie in diesem Prozess begleitet und beraten.

Was ist Erfolg?

Erfolg haben, erfolgreich sein, Erfolge feiern: Wortpaare, die uns leicht über die Lippen gehen. Zahlreiche Ratgeber geben Tipps für ein erfolgreiches Leben. Doch was genau bedeutet eigentlich Erfolg? Ist jemand erfolgreich der viel Geld verdient? Oder im Sport Bestzeiten erreicht? Oder einen großen Freundeskreis hat? Der Duden schreibt: Erfolg ist das „positive Ergebnis einer Bemühung“ oder das „Eintreten einer beabsichtigten, erstrebten Wirkung“. Erfolg ist also kein Zufall. Einem Erfolg geht vielmehr etwas voraus: nämlich, dass ein Mensch das erreicht, was er sich vorgenommen hat. Er hat sich also Ziele gesteckt. Diese können lauten „Ich möchte viel Geld verdienen“ oder „ich möchte beim Laufwettbewerb unter den zehn Besten sein“ oder „ich möchte viele Freunde haben“.

Wertschätzung als Erfolgsrezept

Eine erfolgreiche Phase erleben seit einiger Zeit die Kickerinnen und Kicker vom Fachzentrum in Rosenharz. Ihre letzten Turniere von Special Olympics in Wilhelmsdorf 2020 und Kressbronn 2022 gewannen sie jeweils in ihrer Leistungsklasse. Nun wurde der FC Rosenharz im September in Stuttgart außerdem Landesmeister Baden-Württemberg 2022 in der Kategorie D der Special Olympics.

 

Trainer Holger Zielonka spricht über das Rezept für diesen Erfolg.

Umzug nach Brochenzell

Das neue Haus der Stiftung Liebenau war ab Juli bezugsfertig. Im Oktober sind die letzten Mieterinnen und Mieter nun eingezogen. Hauptsächlich Einzelpersonen leben in den 46 und 69 Quadratmetern großen Wohnungen, aber auch zwei Ehepaare. Viele kamen von weiter her. Ein Mieter zog sogar von Aachen nach Brochenzell. Oft sind es die Kinder, die die Seniorinnen und Senioren bestärken, nicht allein zu wohnen, erklärt Patricia Philips, Leiterin der Sozialstation St. Anna. So auch der Sohn und die Tochter der Gillners, die in der Schweiz leben und es jetzt deutlich näher zu den Eltern haben.

 

Case- und Caremanagerin hilft bei Eingewöhnung

Sich am neuen Lebensort einzufinden, wird durch die Kontakte erleichtert. Günstig ist, dass alle etwa zur selben Zeit eingezogen sind, meint Patricia Philips, die bei der Eingewöhnung behilflich ist. Eine Case- und Caremanagerin wird ab Anfang des kommenden Jahres für die Mieterinnen und Mieter feste Ansprechpartnerin. Sie berät zu benötigten Dienstleistungen und stellt bei Bedarf den Kontakt zu sozialen und pflegerischen Diensten her. In der Betreuungspauschale ist auch ihr täglicher Wohlfühlbesuch während der Woche enthalten. Die Fachkraft ist Teil des Teams der Sozialstation St. Anna in Meckenbeuren.

 

Jetzt bin ich da

Für die kontaktfreudige Käthe Gillner stellt sich die Frage nicht, ob sie an gemeinsamen Aktivitäten wie Gymnastik oder Kaffeetrinken teilnimmt. Unter ihren neuen Bekanntschaften ist auch Margret Janser. Die 92-Jährige lebte die vergangenen 40 Jahre in Fischbach. Die beiden treffen sich manchmal zu kurzen Spaziergängen und Unterhaltungen, wirken schon vertraut. Für Margret Janser ließ der Umzug und die dazugehörigen Erledigungen bisher noch wenig Raum, sich richtig einzugewöhnen. „Aber jetzt bin ich da,“ meint sie geradeheraus. Und sie lässt keine Zweifel daran, dass sie sich hier gut einleben will. Wenn ihr das gelingt, ist es ein Erfolg für sie selbst, aber auch für die Stiftung Liebenau als Anbieterin des Wohnmodells.

Herr Zielonka, wie kommt es, dass die Fußballmannschaften aus Rosenharz so erfolgreich sind?

Eigentlich ist es ganz einfach: Empathie, gegenseitiger Respekt und Achtung, ausgesprochenes Lob, Anerkennung, Wertschätzung, Spaß am gemeinsamen Fußballspielen und eine Kommunikation auf Augenhöhe sind für mich Grundlage für die steigende Erfolgskurve. Diese Werte versuche ich den Spielerinnen und Spielern nicht nur vorzuleben, vielmehr ermutige ich sie, sie im Training und bei Turnieren ebenfalls weiterzugeben.

 

Ist es in der Praxis so einfach, wie es sich anhört?

Mittlerweile verzichte ich fast komplett auf Kritik und den Fokus auf Defizite. Ich kann meine Spielerinnen und Spieler entweder entmutigen, in dem ich ihnen immer wieder ihre Fehler und Schwächen aufzeige. Ich kann sie aber auch ermutigen, in dem ich sie wertschätze, unabhängig davon, was sie können und leisten. Ich lege den Fokus auf die positiven Aspekte, hebe diese hervor und versuche in vielen Einzelgesprächen mitzuteilen, dass jeder wertvoll ist. Es ist für mich immer wieder faszinierend zu sehen, wie sie dann mit erhobenem Haupt, geschwellter Brust auf dem Platz stehen und Dinge aus sich herausholen, die ich – und auch sie selbst – nie für möglich gehalten hätte: Einfach, weil sie wissen, dass da draußen jemand steht, der an sie glaubt. Ich bin immer wieder überwältigt davon, welche Leistungen die Aktiven bringen: Jeder Einzelne und jede Einzelne in meinem Team hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht, ist über sich hinausgewachsen, hat teilweise über den eigenen Möglichkeiten gespielt.

 

Warum ist Ihr Ansatz heute besonders bedeutsam?

Die Zeit, in der wir leben, ist schwer genug, vor allem auch für Menschen mit Assistenzbedarf. Wenn beispielsweise in den sozialen Medien jemand einen kleinen Fehltritt macht, von irgendwas abweicht oder anders ist, wird gleich verbal draufgehauen. Schlagwort „Hatespeech“. Ich bin davon überzeugt, dass es in Zeiten von Krieg, Unsicherheit und Angst, in Zeiten der Pandemie mit Lockdowns und Abstand vonnöten ist, sich bewusst zu machen, dass das Gegenüber keine Gefahr ist, sondern eine Bereicherung. Dass wir neu lernen müssen, wieder aufeinander zuzugehen. Wir alle brauchen mehr denn je das Gefühl, wahrgenommen, angenommen, wertgeschätzt und geliebt zu werden. Jeder kann dazu seinen Beitrag leisten, jeden Tag im eigenen Umfeld. Dazu braucht es wahrlich nicht viel: etwas Mut und die Bereitschaft, empathisch aufeinander zuzugehen. Und das Beste daran ist, dass man selbst profitiert und beschenkt wird, in dem man andere Herzen berührt, die sich öffnen, was Begegnung und Gemeinschaft und tiefe Freude hervorruft. Ich bin dankbar, diesen Job als Fußballtrainer in Rosenharz mit so wundervollen Menschen machen zu dürfen.

Nur nicht stehenbleiben

Der ehemalige Auszubildende am Berufsbildungswerk, Thomas Sauerborn, hat es geschafft. Der 33-jährige hat seine Prüfungen zum Fachpraktiker Küche im Berufsbildungswerk Adolf Aich in diesem Jahr mit 1,0 bestanden. Dafür wurde er nicht nur von der IHK ausgezeichnet, sondern auch mit einer Festanstellung im „Felders Restaurant“, einer der Top- Adressen am Friedrichshafener Bodenseeufer, belohnt.

Thomas Sauerborn hat es geschafft. Der 33-jährige hat seine Prüfungen zum Fachpraktiker Küche im Berufsbildungswerk Adolf Aich in diesem Jahr mit 1,0 bestanden. Dafür wurde er nicht nur von der IHK ausgezeichnet, sondern auch mit einer Festanstellung im „Felders Restaurant“, einer der Top- Adressen am Friedrichshafener Bodenseeufer, belohnt.

 

Zweite Heimat

„Mein größter Erfolg ist, dass wir hier bei einem Cappuccino sitzen und uns ganz normal unterhalten können“, sagt Thomas Sauerborn gleich zu Beginn des Gesprächs. Mehr als ein Jahrzehnt wurde er logopädisch behandelt und hat gegen seine angeborene Muskelschwäche „antrainiert“, wie er es nennt. Bemerkbar macht sie sich vor allem in einem Sprachfehler, der heutzutage zwar noch wahrnehmbar ist, aber kein Verständigungsproblem mehr darstellt. Das liegt auch am selbstbewussten Auftreten des jungen Mannes aus Eberbach, einer Kleinstadt im Rhein-Neckar-Kreis. In der Stephen-Hawking-Schule, im nahegelegenen Neckargemünd, wird er schon früh gefördert. Die sonderpädagogische Bildungseinrichtung hat sich auf Kinder und Jugendliche mit motorischen Entwicklungsstörungen spezialisiert und wird seine zweite Heimat.

 

Drang zur Selbständigkeit

Obwohl er ein absoluter Familienmensch ist, Sauerborn ist der Mittlere von drei Geschwistern und beide Eltern sind in sozialen Berufen tätig, hat er schon mit 19 Jahren den großen Drang nach Selbstständigkeit. Auch darin unterstützen ihn die Eltern, wo es geht. Zunächst mutet er sich allerdings etwas zu viel zu. Eine Ausbildung zum Garten- und Landschaftsgärtner bricht er ab, ehe er in Überlingen ein passendes Modell für sich findet. „Bei den Sozialkulturellen Diensten hatte ich einen Job in der Werkstatt für behinderte Menschen und eine eigene Wohnung bekommen. Gleichzeitig konnte meine Mutter ruhig schlafen, weil ich dort einen Betreuer an meiner Seite hatte.“ Finanziell sind in dieser Zeit keine großen Sprünge möglich, persönlich entwickelt er sich jedoch enorm. Vor allem lernt er Geduld. Und die benötigt er auch für seinen nächsten Schritt.

 

Mit Geduld zum Ziel

„Kochen war schon immer meine große Leidenschaft. Es gibt Fotos von mir, auf denen ich als Sechsjähriger mit meiner Mutter in der Küche rumwurschtel“, sagt Thomas Sauerborn. Er möchte seine Berufung zum Beruf machen und nimmt dafür Umwege in Kauf. In einem Pflegeheim beginnt er ein Praktikum und erhält die Chance, sich für eine Ausbildung zum Beikoch zu empfehlen. Sein Einsatz wird ein Jahr später belohnt. Im Zuge der Ausbildung kommt er schließlich ins BBW, zunächst nur für den Berufsschulunterricht. Als endlich alles gut läuft, kündigt sein Ausbilder im Betrieb unerwartet. Die Ausbildung steht auf der Kippe. Ein Dämpfer? Zum Glück nur kurz, denn seine Berufsschullehrer vermitteln ihn ins Ausbildungsrestaurant des BBW, wo er bei Küchenchef Dirk Eberhard schnell seinen Platz findet und sich mit Leidenschaft einbringt. Vor der praktischen Prüfung ist er dann doch ein wenig nervös. „Klar, dass es da besonders kribbelt. Ich habe mir aber nichts anmerken lassen.“

 

40 000 Schritte pro Tag

Auch ein Jahr nach der Prüfung schaut er hier noch gerne auf einen Kaffee mit den alten Kollegen und Ausbildern vorbei oder trifft seine damalige Bildungsbegleiterin zum Essen. Dann genießt er es, mal bekocht zu werden und nicht selbst am Herd zu stehen. Apropos stehen. Wie steht es eigentlich mit der Laufleistung eines Kochs? Thomas Sauerborn schmunzelt: „Als wir kürzlich im Restaurant Warenlieferung hatten, habe ich den Schrittzähler mal mitlaufen lassen. Abends waren gut 40 000 Schritte auf der Uhr.“ Das entspricht ungefähr 28 Kilometer. Seinen Cappuccino hat Thomas Sauerborn während des Gesprächs übrigens nicht angerührt. Im Gehen schüttet er ihn förmlich herunter. „Das bin ich von der Arbeit so gewohnt“, sagt er beiläufig. Stehenbleiben ist wirklich nicht seine Sache.

Hier geht’s „up“

Das Liebenauer Nähwerk bietet interessante Arbeitsplätze und Upcycling-Produkte. Im Neusprech könnte man das Liebenauer Nähwerk womöglich als Start-up bezeichnen: Innovativ und neuartig. Den Kinderschuhen ist es mittlerweile aber schon entwachsen. Heute bildet es einen weiteren wichtigen Bereich der Liebenau Service mit interessanten Arbeitsplätzen für Menschen mit Unterstützungsbedarf. Die Idee des Upcylings steht für das Nähwerk im Mittelpunkt.

Wir haben es gemeinsam hinbekommen

DamianLN war der Erste im Bunde, ein Shopper aus Bauzaunbannern. Die Baugenossenschaft Familienheim Villingen-Schwenningen wollte das wertige Material nach einem Bauabschluss weiter nutzen, Taschen sollten daraus werden. Für die Verantwortlichen der Liebenau Service war bei der Anfrage sofort klar: „Den Auftrag müssen wir machen,“ schildert Claudia Graßmann, damals als Projektleitung für das Nähwerk verantwortlich. Und: „Wir haben es gemeinsam hinbekommen“, lobt sie das Team aus Menschen mit und ohne Behinderungen. In kurzer Zeit entstanden 280 Taschen, damals noch mit Haushaltsnähmaschinen genäht, was für sich schon eine Leistung ist.

 

Jede(r) bringt Fähigkeiten ein

Gabi Fürgut ist eine Näherin der ersten Stunde. Sie bearbeitet Aufträge von Anfang bis zum Ende selbst. „Gabi näht sehr gut,“ lobt Schneidermeisterin Johanna Renz ihre Fähigkeiten. Die Frage, ob ihr die Arbeit Spaß mache, beantwortet Gabi Fürgut mit einem kurzen „Ja“ und einem zufriedenen Lächeln. Heute arbeiten zehn Personen dauerhaft im Nähwerk, sechs von ihnen mit Unterstützungsbedarf. Meist laufen mehrere Aufträge parallel. Nieten stanzen, nähen, messen: Jede und jeder der Beschäftigten bringt seine Fähigkeiten ein. Aktuell wurden mehrere hundert Tagungsmappen aus Bannermaterial für Unterlagen gefertigt: Empfänger ist die angesehene Tagung der Nobelpreisträger in Lindau.

 

Berühmter Kunde: Tagung der Nobelpreisträger

Das Nähwerk hat sich inzwischen einen Namen gemacht. Eine gewaltige Leistung wuppte es beim ersten Lockdown Anfang 2020. Innerhalb kurzer Zeit nähte man 14 000 Masken, als schnell klar war, dass es am Markt zu wenig Schutzmaterial gibt. „In Nullkommanichts haben wir eine Serienproduktion mit 40 Leuten aufgebaut,“ schildert Graßmann. Es wurden Päckchen mit Stoffen und Schrägband geschnürt und an Mitwirkende zuhause verteilt. Es sei eine aufregende Zeit, positiver Stress bei allen gewesen, trotz der pandemiebedingten allgemein bedrückenden Ungewissheit. Dieser Erfolg hat dem Liebenauer Nähwerk dann auch ein Gesicht in der Öffentlichkeit gegeben, reflektiert Graßmann.

 

Zentral ist der Aspekt des Umwelt- und Ressourcenschutzes

Für das Upcycling stehen viele gebrauchte Materialen oder Reste zur Verfügung. Sie reichen von Gleitschirmseide über Lkw-Planen und Jutesackstoff bis hin zu regulärem Dekostoff. Die Kunst für die Fachkräfte besteht darin, Modelle entsprechend des Verwendungszwecks und des Materials zu entwerfen. Manche Auftraggebende setzen ihre Produkte selbst ab. Andere Produkte werden über Partner wie etwa Museen oder die Läden der Stiftung Liebenau vertrieben. Großgeschrieben werden im Team der intensive Austausch, Diskussionen und Probieren, wodurch einzigartige Pro- dukte entstehen. Auch bei der Namensgebung kann sich jede und jeder einbringen. Shopper LiseLN heißt das derzeit populärste Modell. Für die Arbeit stehen längst Industrienähmaschinen, Overlockmaschinen und ein Industrieriegelautomat zur Verfügung. Sogar auf Instagram ist das Nähwerk unter @liebenauernaehwerk vertreten. Die Anfangsphase des Nähwerks ist vorbei, was weiterhin bleibt ist die Kreativität und Innovation.

Endlich wieder zuhause

„Freundliches“ Fahrradgeklingel, dem ein persönlicher Gruß folgt: Eine Situation an einer Straßenecke wie sie oft vorkommt. Die Gegrüßte ist Elisabeth Kast, die im gemeindeintegrierten Wohnhaus St. Hedwig der Stiftung Liebenau nahe des Zentrums von Bad Wurzach wohnt. Die 72-Jährige ist gerade mit Mitbewohner Helmut Räder vor dem Haus. Die Situation genießt sie sichtlich.

"Ja, ich will"

Inzwischen sind die beiden verheiratet, das Interview mit ihnen fand kurz vor der Hochzeit statt. Vor 13 Jahren haben sie schon einmal „Ja“ zueinander gesagt. Benjamin Utz (41) weiß noch genau, wie er sich ein Herz fasste und seine Arbeitskollegin in einem Aufzug in einem Gebäude der Liebenau Service (LiSe) gefragt hat, ob sie seine Freundin sein möchte. „Das war schon überraschend“, erinnert sich Stephanie (37), die bei der Eheschließung den Nachnamen Utz angenommen hat. Eine Nacht lang hat sie über diese Frage nachgedacht und am nächsten Tag geantwortet: „Ja, ich will.“

 

Immer zusammengeblieben

Zu diesem Zeitpunkt lebte sie noch bei ihrer Mutter und er mit Assistenz im Wohn- und Sozialraum der Stiftung Liebenau. Später zog sie in eine Einzimmerwohnung im ABW, und auch er erlebte verschiedene Wohnformen. In all diesen Jahren gab es gute und schwierige Zeiten einschließlich Krisen und Krankheiten. „Aber wir sind immer zusammengeblieben“, sagt Benjamin Utz. Vor gut zwei Jahren machte das Paar einen großen Schritt: Die beiden zogen zusammen in eine Zweizimmerwohnung des ABW.

 

"Wir haben es immer auf die Reihe gekriegt"

Kurz darauf kam Corona. Wegen des Infektionsrisikos durften sie nicht mehr zur Arbeit und mussten zuhause bleiben. Das war nicht nur ungewohnt, sondern auch ein Stresstest für ihre Beziehung. „Wir haben oft gestritten“, gibt Stephanie Utz zu. „Aber wir haben es immer auf die Reihe gekriegt oder jemanden gesucht, der uns helfen kann“, erzählt sie. Viel Unterstützung bekommen sie insbesondere von ihren ABW-Betreuerinnen, von der Werkstatt für Menschen mit Behinderungen (WfbM) und in der Paartherapie, zu der sie einmal im Monat gehen.

 

Im Alltag gut arrangiert

In ihrem Alltag haben sie sich gut arrangiert. Beide arbeiten nach wie vor in der LiSe-Werkstatt, in der sie sich kennengelernt haben, inzwischen allerdings in verschiedenen Bereichen. Benjamin Utz ist im Lager tätig, Stephanie Utz arbeitet auf dem Lkw beim Ausliefern von Wäsche und Essen. Für die Hausarbeit haben sie eine klare Regelung getroffen: „Wer zuerst nach Hause kommt, kümmert sich um den Haushalt“, sagt der 41-Jährige. Weil er die regelmäßigeren und kürzeren Arbeitszeiten hat, übernimmt folglich er meistens das Staubsaugen, Waschen und Kochen. An gemeinsamen Unternehmungen steht Fahrradfahren an erster Stelle. Zudem besuchen sie gerne Eishockeyspiele. Auch Angebote der Offenen Hilfen wie Kegeln oder Kochen nehmen sie gerne an.

 

Heiraten wollten sie eigentlich schon vor einem Jahr, aber aufgrund familiärer Umstände verschoben sie die Hochzeit. „Ganz früher hatten wir auch einen Kinderwunsch“, erzählt Benjamin Utz. Doch er bestehe nicht mehr, seit sie sich damit beschäftigt haben, was das für ihr Leben bedeuten würde. „Ich bin dreifache Tante“, sagt sie. „Und ich bin vierfacher Onkel“, ergänzt er. „Das genügt uns“, sind sie sich einig.

Interview mit Simone Holderried

Für beruflichen Erfolg bedarf es einer ehrlichen Reflexion und authentischen Kommunikation. Davon ist die Diplompädagogin und Trainerin für berufliche Weiterbildung, Simone Holderried, überzeugt. Sie ist in Bad Saulgau aufgewachsen, lebt im Rheinland und hält bei der Stiftung Liebenau seit rund zehn Jahren Seminare für Leitungskräfte in der Altenhilfe.

 

Im Interview erzählt sie auch, wie Erfolg im Beruf gelingt und was Erfolg mit Glück zu tun hat.

Was ist Erfolg im beruflichen Kontext?

Simone Holderried: Im ersten Moment verbindet man mit Erfolg, dass man Karriere macht und mehr verdient. Gründlicher nachgedacht ist Erfolg im beruflichen Kontext, wenn ich ein gestecktes Ziel erreiche, Herausforderungen meistere und z.B. schwierige Gespräche so führe, dass sie einen konstruktiven Verlauf nehmen. Erfolg hat viel mit persönlicher Wirksamkeit zu tun, die ich an der Stelle entfalte, an der ich gerade bin.

 

Ist Erfolg erlernbar?

Simone Holderried: In Bezug auf die Wirksamkeit kann ich viel lernen. Wenn ich meine Reflexionsfähigkeit erweitere und mir etwas zutraue, kann ich sicherer, wirksamer und erfolgreicher werden bei dem, was ich tue. Gleichzeitig ist es wichtig, die Rahmenbedingungen realistisch einzuschätzen und mich mit anderen zu vernetzen. Dies ist letztlich ein Prozess der Persönlichkeitsentwicklung. In Bezug auf Karriere gibt es einen signifikanten Unterschied, wie Männer und Frauen an Gehaltsverhandlungen herangehen. Da können Frauen sicher noch mutiger werden.

 

Was vermitteln Sie in Ihren Seminaren, um Menschen zu befähigen, erfolgreich zu sein?

Simone Holderried: In meinen Seminaren geht es schwerpunktmäßig um Mitarbeiterführung und Kommunikation. Schwierig sind ja vor allem Konfliktgespräche. Es ist wichtig, sich gut darauf vorzubereiten und sie authentisch zu führen. Dies ist nicht nur eine methodische Frage, sondern erfordert auch die Bereitschaft, sich selbst zu reflektieren.

 

Mit der Übernahme einer Leitungsfunktion verändert sich auch die eigene Rolle im beruflichen Umfeld. Wie kann man damit gut umgehen?

Simone Holderried: Rollenklarheit ist der zentrale Punkt, um eine erfolgreiche Führungskraft zu werden. Gerade in der unteren Führungsebene besteht oft ein Rollenkonflikt. Denn hier sind Führungskräfte einerseits Vorgesetzte und andererseits weiterhin Teil des Teams. Es braucht ein klares Bewusstsein dafür, was in der jeweiligen Rolle angemessen ist. Deshalb empfehle ich Führungskräften immer, zumindest sporadisch eine Supervision zu machen.

 

Wie sollten Führungskräfte mit Mitarbeitenden umgehen, in denen berufliches Potenzial steckt?

Simone Holderried: Es ist wichtig, nach solchen Mitarbeitenden Ausschau zu halten, ihnen besondere Aufgaben zuzutrauen und sie auf eine Weiterentwicklung anzusprechen. Wichtig ist auch, nicht in Konkurrenz zu Mitarbeitenden treten, wenn diese an manchen Stellen besser sind als man selbst.

 

Wann erleben Sie persönlich Erfolgsmomente in Ihren Seminaren?

Simone Holderried: Ich freue mich sehr, wenn Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmer in Reflexionsrunden immer differenzierter und präziser werden. Daran kann ich einen Entwicklungsprozess und Kompetenzzuwachs erkennen. Genau dies betrachte ich als Erfolg.

 

Macht Erfolg glücklich?

Simone Holderried: Ich betrachte diesen Aspekt anders herum. Ein Erfolg im Leben ist es, wenn man es schafft, glücklich zu sein – im privaten wie auch im beruflichen Bereich.

Dann höre ich Musik

Janine Czech führt ein ziemlich selbstständiges Leben in einer Wohngruppe der Stiftung Liebenau. Sie wäscht ihre Wäsche selbst, mag ihre Arbeit in der Werkstatt und fährt am Wochenende gerne zum Einkaufen nach Ravensburg. Das war nicht immer so. Die 42-Jährige hat schwierige Zeiten erlebt. Heute ist sie stolz auf ihre persönliche Entwicklung. Zu Recht. „Ich habe mich geändert“, sagt Janine Czech und strahlt dabei. Dass sie seit etwa zehn Jahren keinen Fixieranzug mehr braucht, betrachtet sie als den größten Erfolg in ihrem Leben. Zuvor hat sie sich wegen einer Borderline-Störung immer wieder selbst aufgekratzt. Doch irgendwann habe sie gedacht: „Es hat keinen Sinn so weiterzumachen. Denn ich wollte in der Werkstatt arbeiten.

Den Neuanfang wagen

Umziehen ist für Seniorinnen und Senioren eine persönliche Meisterleistung. Die 14 Wohnungen im „ServiceWohnen komfort“ in Brochenzell waren schnell vergeben. Kein Wunder: Das Gebäude ist hell, zentrumsnah, modern und hochwertig eingerichtet, die Räumlichkeiten sind altengerecht. Der Bedarf an solchen Wohnungen scheint hoch zu sein. Für die 16 Mieterinnen und Mieter bedeutet der Einzug ein Neuanfang. Hilfreich sind unter anderem die neuen Kontakte im Haus. Käthe Gillner war eine der ersten, die hier ab Juli dieses Jahres einzogen. Ihre Eckwohnung im zweiten Obergeschoss bietet freie Sicht über die Dächer der Gemeinde Richtung Alpen. Auf dem Balkon leuchten gelbe Blumen aus einem Topf mit den Polstern der Sitzecke um die Wette. Die Wohnung war beim Einzug vollständig eingerichtet. „Das haben unsere Kinder alles eingerichtet,“ erzählt Käthe Gillner. Die 84-Jährige ist aufgeschlossen und offen. Die Sorge um ihren Mann, der kurz nach dem Einzug ins nahegelegene Haus der Pflege St. Josef übersiedelte und länger im Krankenhaus behandelt werden musste, treibt sie um und schmälert die Freude über das neue Zuhause. Ihrem Mann sei der Umzug extrem schwergefallen.

Wenn Liebe zum Erfolg wird

Stephanie Allgaier und Benjamin Utz strahlen übers ganze Gesicht. Was der größte Erfolg in ihrem Leben ist? „Wir heiraten in drei Wochen“, antworten die beiden voller Vorfreude. Seit 13 Jahren sind sie ein Paar, haben Höhen und Tiefen miteinander erlebt und sich entschlossen, ihren Lebensweg gemeinsam zu gehen. Was wird die Braut bei der Hochzeit tragen? Sie schmunzelt und sagt: „Das wird vorher nicht verraten.“ 

Menschen mit Behinderungen genießen das Leben in der Stadt

Der Bad Wurzacher Radler bleibt kurz stehen und erkundigt sich, wie es geht. Elisabeth Kast fragt zurück, wo seine Frau ist. Szenen wie diese spielen sich häufig vor dem Haus ab. Ein Zeichen dafür, dass die 35 Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses von vielen Bürgerinnen und Bürgern und als ein wichtiger Teil in der Kommune wahrgenommen und akzeptiert wer- den. Elisabeth Kast und Helmut Räder waren unter den ersten, die vor über 26 Jahren ins Haus St. Hedwig eingezogen sind. Zuvor lebten sie in den Fachzentren Liebenau beziehungsweise Hegenberg. Was ihr am Leben in der Stadt am besten gefällt, schildert Elisabeth Kast in breitestem Schwäbisch: „Fuat gange – auf’d Ransch“, wobei sie breit grinst. Genau das steht auch heute für die schick gekleidete Frau auf dem Programm. Eine Ehrenamtliche wird sie abholen und mit ihr ins Lieblingscafé in der Stadt gehen. Helmut Räder schätzt besonders „die Freiheit".

 

Eine logistische Meisterleistung

„Wir sind einfach glücklich, dass wir wieder hier sind,“ spricht Teamleiterin Birgit Greiner für alle. Das gilt sowohl für die Bewohner als auch für die Mitarbeitenden, ergänzt Bastian Tetzlaff, der ebenfalls Teamleiter ist. Sie beziehen sich dabei auf die rund zweieinhalb Jahre, in denen sie wegen Generalsanierung des Wohnhauses ausquartiert waren. Dass alle zusammen in der Ersatzunterkunft leben konnten, war zwar ein Glücksfall. Weniger gut war, dass das vorübergehende Leben in Neutann abseits von Bad Wurzach war. Unkompliziert in die Stadt zu kommen, war nicht möglich. Dann kam die Coronapandemie mit ihren Kontaktbeschränkungen noch dazu. Aber schließlich haben alle die langanhaltende Situation mit Bravour gewuppt, loben die beiden Mitarbeitenden. „Es war eine logistische Meisterleistung“, bekräftigt Tetzlaff. Im März dieses Jahres konnten sie in ihre neu sanierten privaten und gemeinschaftlichen Räume in Bad Wurzach zurückziehen.

 

Ein Stück mit Happy End

Was alle im Haus St. Hedwig auch vorher schon wussten, hat sich durch die Zeit noch einmal mehr bestätigt: Bad Wurzach ist ihr Zuhause. Elisabeth Kast wohnt jetzt neben ihrer besten Freundin. In ihrem Zimmer hat sie neben der allgemeinen Ausstattung einen lila Ohrensessel, den sie sich gewünscht hat. Helmut Räder wünschte sich einen neuen Fernseher. Der 62-Jährige bekommt nahezu jeden Tag Besuch von sei- ner Schwester, die ebenfalls in Bad Wurzach lebt. Für die Bewohnerinnen und Bewohner bieten sich hier Aktivitäten wie schwimmen oder eine Fahrt mit dem Torfbähnle und anschließender Einkehr an. Sowohl Elisabeth Kast als auch Helmut Räder lieben es, im Kurpark spazieren zu gehen. Elisa- beth Kast engagiert sich außerdem für den Heimbeirat, bastelt gerne und malt Mandala-Bilder. Helmut Räder schreibt viel, vorzugsweise über sportliche Themen. Dieses Faible hat er aus der Zeit beibehalten, als es noch eine aktive Theatergruppe im Haus gab und er die Stücke mitgestaltete. Das Stück „Angekommen in der Stadt“ ist allerdings kein Theaterstück, sondern das wahre Leben.

Was war für Sie persönlich Ihr größter Erfolg?

„In Deutschland anzukommen, um eine neue Sprache zu lernen und jetzt für die Stiftung Liebenau in einem Bereich zu arbeiten, den ich liebe und Menschen zu helfen. Das war großartig.“ Paula Tizzei, St. Lukas-Klinik Liebenau, halb Brasilianerin und Italienerin, in Brasilien aufgewachsen.
„Als persönlich größten Erfolg empfinde ich, dass ich jetzt die Prüfung zum „Diplom-Sozialbetreuer Behindertenbegleitung“ mit ausgezeichnetem Erfolg bestanden habe. Es gibt mir ein sehr gutes Gefühl, dass ich all meine Aktivitäten mit den Klientinnen und Klienten auch fachlich fundiert begründen kann.“ Michael Jeschke, Diplom-Sozialbetreuer in der Lebenswelt St. Antonius in Kärnten.
„Ich habe vier wunderbare Kinder ins Leben begleitet, sie in ihrer Individualität bestärkt, ihnen einen sicheren Hafen geboten und zugleich die Freiheit gelassen, sich zu entfalten. Das ist für mich persönlich mein größter Erfolg.“ Christine Volk, Liebenau Service, Liebenau.
„Mein größter persönlicher Erfolg besteht darin, dass ich gerne Leute, die ich privat oder beruflich kenne, zusammenbringe. So entstehen immer wieder neue Konstellationen, die scheinbar Unmögliches möglich machen.“ Barbara Reichstein, WfbM Villingen-Schwenningen.
„In Sankt Petersburg habe ich viele Jugendliche und Erwachsene auf die internationalen Sprachprüfungen vorbereitet und jedes Mal, wenn sie ihre Sprachzertifikate bekamen, jubelte ich mit, denn ich wusste, dass ich zur Erfüllung ihrer Träume beigetragen habe.“ Olga Sidorova, Berufsbildungswerk Adolf Aich, Ravensburg.

Jonas Nistl: Die beste Lösung zählt!

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