Seitlich streichen für weitere Aufgabenfelder <>

BTHG – Praxis entscheidet über Qualität des Gesetzes

MECKENBEUREN-LIEBENAU – Das Bundesteilhabegesetz (BTHG) ist seit Anfang 2017 in Kraft. Jetzt folgt die Umsetzungsphase auf kommunaler und Landesebene. Mit dem Systemwechsel von der pauschalen hin zur personenzentrierten Unterstützung kommt nicht nur auf die Leistungsträger und Leistungserbringer ein noch nicht absehbarer Aufwand zu. Auch für die Angehörigen und gesetzlichen Betreuer von Menschen mit Behinderungen ist dies der Fall. Gerold Abrahamczik, Sprecher des Beirates der Angehörigen im Bundesverband Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie e. V. (CBP) informierte im Gallussaal der Stiftung Liebenau über den aktuellen Stand.

Referent Gerold Abrahamczik folgte der Einladung von Christine Beck (rechts) von der Geschäftsleitung der Liebenau Teilhabe und Brigitte Sauter-Servaes (Erste Vorsitzende des Angehörigen- und Betreuerbeirats der Liebenau Teilhabe).

Gerold Abrahamczik ist unter anderem Sprecher des Beirates der Angehörigen im Bundesverband Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie e. V. (CBP). Mit seinem Vortrag bei der Stiftung Liebenau berichtete er über den aktuellen Stand bei der Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes.

Angehörige und gesetzliche Betreuer füllten den Gallussaal der Stiftung Liebenau bis auf den letzten Platz beim Vortrag von Gerold Abrahamczik.

Referent Gerold Abrahamczik, selbst Vater eines schwer mehrfachbehinderten erwachsenen Sohnes, zeigte sich begeistert über den vollen Saal, trotz der „schweren Kost“. Im Bereich der Umsetzung des BTHG ab 1. Januar 2020 auf Landesebene seien noch viele Punkte unklar. Für ihn ist daher sicher, dass es in der Anfangsphase auch zu Rechtsstreitigkeiten kommen wird. Hier hat der Deutsche Bundestag im Gesetz jedoch die Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörigen gestärkt: Unbestimmte Rechtsbegriffe im BTHG seien stets im Sinne der UN-Behindertenkonvention auszulegen.

 

Der Mensch im Mittelpunkt

Das BTHG hat zum Ziel, Menschen mit Behinderungen durch individuelle Unterstützung die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Im Mittelpunkt steht die so genannte Personenzentrierung. Die Frage für den einzelnen Menschen mit Behinderung lautet künftig: Wo und wie will ich wohnen? Wie will ich leben? Wo will ich arbeiten? Wie will ich meine Freizeit verbringen?

 

Angehörige müssen selbst aktiv werden

„Informieren, informieren, informieren“, riet Abrahamczik. Neben unabhängigen Beratungsstellen liefern bestimmte Internetseiten aktuelle Infos (s. u.). Wichtig sei es, die Anträge auf Grundsicherung und Eingliederungshilfe und, unter Umständen, auf Hilfe zur Pflege rechtzeitig vor Ende des kommenden Jahres zu stellen. Erst ab dem Monat der Antragsstellung würden Leistungen erbracht. Die Antwort auf die Frage, ob das jeweilige Landratsamt auf die Angehörigen zukomme, lautete: „Nein, sie müssen die Anträge selbstständig stellen.“ Momentan könne man als Angehöriger noch nicht viel tun. Zur Vorbereitung auf die Teilhabeplanung riet er aber dringend, sich ab sofort intensiv mit der Lebenssituation des Angehörigen auseinanderzusetzen: „Schreiben Sie alles kleinteilig auf, was für ihren Angehörigen wichtig ist.“ Und weiter: „Mir ist wichtig, dass sie sich auf die Bedarfsermittlung gut vorbereiten.“

 

Große Veränderungen beim stationären Wohnen

Die gravierendsten Veränderungen wird es im Bereich des stationären Wohnens geben, im BTHG „gemeinschaftliches Wohnen“ genannt. Ab Januar 2020 ist jeder Mensch mit Behinderung selbst Mieter. Hierfür bekommt er Grundsicherung für Miete und Mietnebenkosten sowie Essen. Menschen in stationären Einrichtungen erhalten einen bestimmten Aufschlag, um die naturgemäß höhere Miete bezahlen zu können und nicht gezwungen sind, in günstigeren Wohnraum umzuziehen.

 

Herausforderung individuelle Bedarfsermittlung

Die Fachleistungen – finanziert aus der Eingliederungshilfe – unterteilen sich in neun Lebensbereiche, unter anderem in Lernen und Wissensanwendung, Mobilität, häusliches Leben und interpersonelle Interaktionen und Beziehungen. Die Ermittlung des jeweiligen persönlichen Bedarfs wird die große Herausforderung. „In Baden-Württemberg werden 33 Erprobungslandkreise mit je fünf Klienten Erfahrungen sammeln, darunter auch der Bodenseekreis“, erläuterte Christine Beck, Geschäftsleitung Bereich Wohnen der Stiftung Liebenau.

 

Vorbereitung auf Teilhabeverfahren

Bei der künftigen Teilhabeplanung sitzt der Leistungsträger am Tisch, zusammen mit dem Leistungsberechtigten, seinem Angehörigen oder gesetzlichen Betreuer. Möglich ist auch die Teilnahme einer Person seines Vertrauens. Werden Pflegeleistungen benötigt, ist auch die Pflegeversicherung mit dabei beim sogenannten Gesamtplanverfahren. Spätestens bei diesen Gesprächen können detaillierte und differenzierte Notizen über den eigenen Angehörigen mit Behinderung von großem Nutzen sein.

 

 

Weitere Informationen

 

Zur Person Gerold Abrahamczik

Gerold Abrahamczik ist Vater eines 26-jährigen schwer mehrfachbehinderten Sohnes. Er ist Sprecher des Beirates der Angehörigen im Bundesverband Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie e. V. (CBP), Sprecher des Sprecherkreises der Landesarbeitsgemeinschaft der Angehörigenvertretungen in Caritaseinrichtungen der Behindertenhilfe in Niedersachsen (LACB) sowie Mitglied im Eltern- und Betreuerbeirat der WfbM des Andreaswerks Vechta.

 

Landesarbeitsgemeinschaft der Angehörigenvertretungen in Caritaseinrichtungen der Behindertenhilfe in Niedersachsen (LACB)

 

Umsetzungsbegleitung Bundesteilhabegesetz

 

Angebote der Stiftung Liebenau im Aufgabenfeld Teilhabe

 

 

Wenn Sie sich für unseren Newsletter Inklusion interessieren, melden Sie sich bitte hier an >

 



Pressekontakt:

Stiftung Liebenau
Abteilung Kommunikation und Marketing
Vera Ruppert, Pressearbeit
Siggenweilerstr. 11 
88074 Meckenbeuren 
Telefon +49 7542 10-1181
vera.ruppert@stiftung-liebenau.de